Eine Geschichte vom Kritik geben und annehmen

Den heutigen Einstieg in das Thema Bildkritik möchte ich mit einer Frage beginnen. Welche Antwort trifft auf dich zu?

Wenn ich im Internet ein Foto sehe, das mir nicht gefällt…

  1. denke ich mir meinen Teil und klicke weiter.
  2. sage ich dem Urheber freundlich (oder zumindest was ich unter freundlich verstehe), dass mir das Foto nicht gefällt.
  3. hebe ich die guten Seiten an dem Foto hervor, zähle aber auch die Punkte auf, die mir nicht gut gefallen und mache Vorschläge, was er/sie anders machen könnte.

Ich zähle mich zur Gruppe 1. Ich gebe keine negativen Bildkritiken ab. Zumindest nicht ungefragt. Zu welcher Gruppe gehörst du? Scheust du dich nicht, ein Foto zu kritisieren – auch wenn das nicht explizit erwünscht ist?

Heutzutage ist es so einfach wie nie zuvor, die eigenen Bilder im World Wide Web zu präsentieren. Was vielen jedoch nicht bewusst ist, wenn sie damit anfangen, ihre Fotos öffentlich zu zeigen, in Facebook-Gruppen zu teilen und online zu stellen: Es erfordert Mut. Denn du präsentierst sie einer breiten Masse. Auf die vielen Likes und „Ach, wie schön“ wird auch mal ein negativer Kommentar folgen. Und darauf musst du vorbereitet sein.

Meine wichtigste Erkenntnis, die mir während des Schreibens dieses Artikels kam:

[bctt tweet=“Beim Kritik geben geht es um das Wie.“]

Und genau dieses Wie ist eine Kunst, die nicht jeder beherrscht und das ist der Grund, warum es zu Streitigkeiten und Missverständnissen kommt oder du eventuell Hemmungen hast, einen anderen oder dessen Werk zu kritisieren. Ich möchte dir ein paar Methoden aufzeigen, wie du eine Kritik gut verpackst, ohne dass es sich in ein emotionales Pingpong-Drama entwickelt, bei dem ein Wort und eine E-Mail die nächste jagt und beide verletzt zurückbleiben. Eine gute Kritik fußt auf Respekt und Achtung.

Klar, wenn es den Kritiker gibt, steht auf der anderen Seite auch jemanden, der die Kritik empfängt. Warst du schon mal in dieser Situation und wie bist du damit umgegangen, als deine Fotos überraschend kritisiert wurden oder du trotz erwünschter Kritik eine negative bekommen hast, die dir nicht gefallen hat? Kannst du gut reflektieren, zustimmen oder sogar sagen, dass du nicht der gleichen Meinung bist? Oder fühlst du dich dann am Boden zerstört und ziehst dich verletzt zurück?

Die Idee zu diesem Artikel kam mir vor ein paar Wochen, als ich überraschend Feedback zu meinem Foto auf Flickr bekam. Diese Erfahrung brachte mich dazu, mich mit dem Thema Bildkritik geben und Bildkritik empfangen auseinander zu setzen.

Was war passiert?

Posing For Granddaughter 1Das ist das Foto, das kritisiert wurde. Folgende Worte erreichten mich per E-Mail:

Ich habe mir deine Bilder auf Flickr angeschaut und festgestellt, dass bei dem Bild mit deiner Großmutter kein einziger Punkt scharf ist. Das ist eigentlich ein No-Go für die Betreiberin einer Fotoseite. Ich könnte auch noch etwas zum Bildaufbau sagen, aber das würde hier zu weit gehen 😉 wenn du möchtest, schreibe ich dir das gerne in eine Nachricht oder unter das Bild. Ansonsten schweige ich.

Ich war im ersten Moment überrascht und musste mir das Bild genau anschauen. Unscharf? Ok, jetzt, wo er es sagt. Mir ist bis dato die Unschärfe nicht als störend aufgefallen. Bildaufbau? Meint er die mittige Platzierung? No-Go? Mit dieser Aussage kann ich nichts anfangen.

Seine Anmerkungen zur Bildschärfe und dem Bildausschnitt konnte ich nachvollziehen. Das sind technisch messbare Punkte für die Bewertung eines Fotos und des Fotografiehandwerks. Aber das Wort „No-Go“ störte mich. Wie messe und bewerte ich ein No-Go? Dies führte mich weiter zu der Frage, ob es eine richtige Art und Weise gibt, jemandes Arbeit und Werk zu kritisieren, ob negativ oder positiv?

Vorab: Ja, die gibt es. Aber bevor ich dir nun die Antwort liefere, möchte ich berichten, wie unser Dialog weiter verlief und warum ich dieses unscharfe und bildkompositorisch fehlerhafte Bild ins Internet gestellt habe:

Vielleicht erklärt die Entstehungsgeschichte, warum es nicht scharf ist: Das Bild habe ich mit ungefähr 14 oder 15 Jahren mit einer ganz einfachen Filmkamera geschossen und damals hatte ich noch keine Ahnung von Einstellungen, Scharfstellen, Bildaufbau etc. Trotzdem mag ich das Foto so, wie es ist, und zeige es auch trotz seiner Unschärfe – was mich im Übrigen nicht stört, denn es ist alles soweit erkennbar.

Das Foto hat einen großen emotionalen Wert für mich. Mag sein, dass es nicht scharf ist. Mag sein, dass man den Bildaufbau hätte anders wählen können – deine Idee für den Bildaufbau kannst du mir gerne schreiben, hier oder unter das Foto, und ich nehme sie zur Kenntnis. Ich glaube jedoch nicht, dass sie mich bei diesem speziellen Foto beeinflussen kann, denn ich liebe das Foto so, wie es ist.

Für einen Außenstehenden ist vielleicht der technische Aspekt und Bildaufbau wichtig und bestimmt auch richtig. Für mich jedoch zählt bei diesem Foto die Person und die Erinnerung an den Tag, als es entstanden ist: Es zeigt meine Oma an ihrem Geburtstag mit ihrer Katze, die sich spontan dazugestellt hat. Im Hintergrund ist ihr Beet zu sehen; das Anbauen von Gemüse und Getreide war ihre Lieblingsbeschäftigung. Und ich hatte die verrückte und vielleicht unpassende Idee, ihr eine Pilotenbrille aufzusetzen (was überhaupt nicht zu ihr passt, aber gut, ich war ungefähr 14/15 Jahre alt) und sie war so nett und hat mitgespielt, ohne es zu hinterfragen. Ob ich mir irgendwas bei dem Bildausschnitt gedacht habe oder nicht, kann ich heute nicht mehr sagen. Vermutlich eher nicht, denn damals wusste ich noch nichts von Bildkomposition.

Auf das Thema No-Go bin ich ebenfalls eingegangen:

Du schreibst, es sei eigentlich ein No-Go, dass eine Fotobloggerin ein solches Foto zeigt. Da geraten wir in eine Grundsatzdiskussion, die wahrscheinlich nie zu einem Ende kommen kann, da die Fotografie und das, was gefällt oder nicht gefällt sehr subjektiv ist…

Als Reaktion auf meine E-Mail bekam ich folgende Antwort:

Hallo Aleksandra, … schreib einfach drunter, dass Du dieses Bild wegen der Entstehungsgeschichte so sehr liebst. Dann hat die Präsentation eine ganz andere Bedeutung und die Bildgestaltung ist nicht mehr das maßgebliche. Und damit erübrigt sich resp. verbietet sich für mich jedwede Kritik.

Ein Bild sagt eben nicht mehr als tausend Worte

So sind wir nun verblieben. Es war ein Austausch an Gedanken und Hinweisen. Seine Antwort wies mich noch einmal auf einen wichtigen Punkt hin, den ich mir bereits selbst gedacht hatte, es aber immer aus Zeitmangel und Vergessen aufgeschoben habe: Ich muss Hintergrundinformationen zu den Bildern liefern. Ein Bild alleine sagt nicht immer mehr als tausend Worte. Es kann den Betrachter irritieren und mit einem Fragezeichen im Gesicht stehen lassen, wenn wichtige Informationen nicht geliefert werden.

Wie kritisierst du nun richtig, wenn du so ein Foto siehst und du dir eine Meinung dazu gebildet hast und diese auch mitteilten möchtest, vielleicht sogar um Kritik gebeten wurdest?

Vorgehensweise beim Geben einer Kritik

Hier kommen nun sechs Tipps, die du beim Kritisieren von Fotos anwenden kannst:

  • Sprache: Um zu verhindern, dass der Kritisierte eine Wand aufbaut, sich zurückzieht und vor der Kritik verschließt, solltest du ruhig und gelassen bleiben, auf deine Sprache achten und auf Ironie oder Sarkasmus verzichten. Das führt am meisten zu Missverständnissen und heftigen Gegenreaktionen.
  • Objektivität vs. Subjektivität: Neben einer sachlichen Sprache solltest du auch nur objektiv messbare Kritikpunkte anführen. Begründe hauptsächlich mit objektiven Kritierien, die nachvollziehbar und allgemein gültig sind. In meinem Fall kann ich die Kritikpunkte an der Schärfe und der Bildkomposition nachvollziehen, aber den No-Go-Einwand nicht, da dies ein subjektiver Standpunkt ist. Für mich ist das Foto kein No-Go. Wenn du nun aber deine persönliche Überzeugung einbringen willst, musst du sie genau begründen und gute Beispiele aufzählen, um den Kritisierten zu überzeugen. Auch hier gilt wieder: Achte auf deine Sprache.
  • 3K-Methode: Kompliment – Kritik – Kompliment. Ist denn wirklich alles schlecht an dem Foto? Hebe zuerst einmal die positiven Seiten des Bildes hervor und komme dann zu deinen Kritikpunkten; wenn es dir möglich ist, schließe noch mal mit einem positiven Aspekt ab. So lässt sich die Kritik besser annehmen, der Kritisierte fühlt sich nicht nur kritisiert.
  • Genaue und präzise Formulierungen der Kritikpunkte: Beschreibe genau und deutlich, was dein Kritikpunkt ist. Ein bloßes „Gefällt mir nicht“ oder eine rein abfällige Bemerkung ohne Erklärung ist eine schlechte Kritik und kann nicht ernst genommen werden. So ein Verhalten wirft auch auf dich als Kritikgebenden ein schlechtes Licht.
  • Hintergrundinformationen: Verstehst du, wie dieses Foto entstanden ist? Was waren die Rahmenbedingungen? Was die Intention? Was bedeutet dieses Foto dem Urheber? Für welchen Zweck wurde es aufgenommen? Mit diesen Informationen im Kopf lässt sich das Bild aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Passt dieses Foto nun zu der Geschichte, die es erzählen soll? Relativieren die Hintergrundinformationen die Kritikpunkte? Wenn keine Angaben zu dem Bild gemacht wurden, dann erfrage sie. Wir können uns nur eine umfassende Meinung bilden, wenn uns alle Informationen vorliegen.
  • Verbesserungsvorschläge: Biete konkrete Vorschläge an, was du anders gemacht hättest oder was der Kritisierte verbessern kann.

[bctt tweet=“Kritik ist keine Einbahnstraße“]

Das Kritikgeben erfordert also psychologisches Fingerspitzengefühl. Niemand wird gerne kritisiert. Außerdem ist das Kritisieren keine Einbahnstraße, bei der du deine Kritik abgibst und diese von dem Kritisierten aufgenommen, geschluckt und akzeptiert werden muss. Sei nicht überrascht, wenn der Kritisierte auf deine Kritik reagiert – die Reaktion hängt davon ab, wie du deine Kritik formuliert hast.

Ein Profi, was die Bildkritik für die Stockfotografie angeht, ist Robert Kneschke von der Seite Alltag eines Fotoproduzenten. Er hebt positive Elemente hervor, zeigt aber auch auf, was dem Bild fehlt und was der Ablehnungsgrund für die Stockagentur war oder sein könnte. Er liefert auch manchmal konkrete Verbesserungsvorschläge, indem er ein eingereichtes Foto selbst nachbearbeitet. Bei seiner Kritik bleibt er sachlich, bietet konkrete Verbesserungsvorschläge an und lobt die guten Elemente der Fotos.

Kritik annehmen

Wenn dein Foto kritisiert wurde und du erst einmal ratlos bist, was du davon halten sollst, nicht weißt, ob die Kritik berechtigt ist, ob du sie annehmen sollst oder nicht, dann überprüfe die Kritik auf einige unten aufgeführte Punkte. Eine Kritik kann etwas Positives für dich sein. Aber es ist deine freie Entscheidung, ob du sie annehmen willst. Nicht jede Kritik ist berechtigt und bietet dir die Möglichkeit, dich weiterzuentwickeln.

  • Quelle: Wer kritisiert dich? Respektierst du diese Person und ihre Meinung? Hat diese Person Ahnung von dem Fach, das sie kritisiert? Ist diese Person selbst kreativ und schöpferisch tätig oder lediglich ein Betrachter oder Konsument der Kunst, Fotografie, etc.? Argumentiert die Person objektiv oder emotional und subjektiv? Kennt die Person dich und deine Arbeiten? Dient diese Kritik deiner Verbesserung? Hast du danach gefragt?
  • Ruhe bewahren: Lass die Kritik zuerst in aller Ruhe auf dich wirken. Welchem Argument kannst du zustimmen und welchem nicht?
  • Positives herausfiltern: Sieh die Kritik positiv und betrachte sie als Möglichkeit, dich zu verbessern. Vor allem, wenn ein erfahrener Fotograf dir Tipps gibt, kannst du darauf vertrauen, dass die Kritik dich voranbringt. Wenn du der Kritik überhaupt nicht zustimmen kannst, dann überlege dir warum.
  • Klärende Fragen: Wenn dein Foto kritisiert wird, dir aber nicht ganz klar ist, wie einzelne Aussagen gemeint sind, frag genau nach.
  • Bedanke dich bei deinem Kritiker: Wenn es eine konstruktive Kritik war, die dich weiterbringt, vorantreibt, deinen Blickwinkel ändert und dich besser werden lässt, dann solltest du dich für die Kritik auch bedanken.

Es bleibt am Ende immer dir überlassen, ob du die Kritik ganz oder teilweise annimmst oder komplett ablehnst. Wie gesagt: Die Kritik ist keine Einbahnstraße.

Ergänzende Gedanken zum Thema Subjektivität und Emotionalität

Es kling banal: Bilder, die mir gefallen, berühren mich emotional. Und so wird es anderen Betrachtern auch gehen. Aber Emotionalität und Subjektivität sagen nichts über die Qualität eines Fotos aus. Subjektives Empfinden kann nicht als Maßstab für eine Kritik herangezogen werden.

Was einen emotional berührt, gefällt oder interessiert, hängt sehr viel mit der eigenen Biographie, den Interessen und dem Erlebtem zusammen. Was ist dein Background? Wo kommst du her? Was fasziniert dich? Bei mir zum Beispiel treffen jegliche Art von Bildern aus der Balkanregion einen Nerv. Ich habe meine Ferien als Kind und Jugendliche bei meiner Verwandtschaft dort verbracht. Straßenbilder, Landschaftsbilder, Portraits oder dokumentarische Fotografien reizen mein Auge und wecken Erinnerungen. Als ich auf den Bildband Kitchen Stories from the Balkans stieß, hätte ich ihn mir am liebsten gleich gekauft. Schau dir die Fotos an. Wie empfindest du sie?

In mir wecken diese Balkanküchen Erinnerungen: Der Blick aus dem Fenster, die Anordnung der Küchenmöbel, die Deko, die ganz spezielle (Un-)Ordnung, die Plastikdecken und Stickereien, das alte, zerfallene aber Funktionale kombiniert mit dem Modernen. Solche Küchen habe ich gesehen, in solchen gegessen, gesessen und gelacht. Ein Bildband über Küchen in Deutschland würde bei mir nicht die gleiche Reaktion hervorrufen, da ich dazu nicht annähernd die gleiche emotionale Bindung habe. Das heißt natürlich nicht, dass solche Bilder dann schlecht wären. Das verdeutlicht nur, dass wir alle eine gefühlsmäßige und subjektive Präferenz haben.

[bctt tweet=“Beim Kritik geben ist es absolut wichtig, das Emotionale und Subjektive außen vor zu lassen.“]

Fazit

Es ist wichtig, sowohl die Kunst der positiven als auch negativen Kritik zu kennen, sie zu üben und zu beherrschen.

Wenn man Bilder online stellt, werden sie auch kritisiert – ob man das will oder nicht. Wenn du der Kritiker bist, halte es sachlich, präzise und genau und hebe auch positive Merkmale hervor. Hol dir die nötigen Hintergrundinformationen zu dem Bild ein, wenn dir unklar ist, wieso es gezeigt wird oder was dargestellt werden soll.

Bevor du ein Bild kritisierst, frage dich auch, ob deine Kritik wirklich einen Mehrwert für den Kritisierten bietet? Bist du in der Lage und berechtigt, eine konstruktive Kritik abzugeben?

Die einen werden deine Kritik gut annehmen, deine Einwände verstehen, Gegenvorschläge machen und sich sogar bedanken, wenn deine Kritik sie weiterbringt. Dies wird häufig der Fall sein, wenn du sachlich geblieben bist, keine subjektive Wertung in deine Kritik eingeflossen ist und du genau und präzise formuliert hast, was an dem Bild neben den bereits guten Elementen noch besser gemacht werden kann. Wenn du persönliche Überzeugungen und Werte einbringen willst, müssen diese auch gut begründet sein.

Sei nicht enttäuscht, wenn deine Kritik nicht angenommen wird. Denn es bleibt dem Kritisierten überlassen, was er damit anfängt und wie er damit umgeht.

Und wenn du eine Kritik bekommst, überprüfe sie auf ihre Richtigkeit. Eine gute Kritik kann dich vorantreiben und weiterbringen. Sie weist dich auf Punkte hin, die du vielleicht übersehen hast. Vergiss dann auch nicht, dich bei deinem Kritiker zu bedanken.

Wie stehst du zu dem Thema Bildkritik? Wurde schon mal eins deiner Bilder negativ kritisiert? Wie bist du damit umgegangen?

18 Gedanken zu „Eine Geschichte vom Kritik geben und annehmen

  1. Servus Aleksandra!

    Ich finde das so gut wie Du Dich mit dem Thema hier beschäftigt hast.

    Deine Berichte über das Fotografieren bei Hitze, den Eibsee, den Königsee und auch andere habe ich meist alle gelesen. Beim Ausflug zum Weßlinger See zum Beispiel meine ich, dass 70-80% Deiner Fotos aus der Situation, also zu Dokumentationszwecken heraus entstanden sind und nicht um jetzt das perfekte Motiv mit den ebenso perfekten Einstellungen zu suchen und zu fotografieren. Diese 70-80% Fotos sind eine nette Zugabe zu den Texten, die Du so gut verfasst. Tatsächlich erübrigt sich somit die Kritik am einzelnen Foto.

    Ich bin viel in den Bergen unterwegs. 70-80%, vielleicht sogar mehr als 90% der Fotos entstehen auch so aus der Situation heraus. Also eher „Allerwelts-Bilder“. Ich merke zwar, dass ich nun, nachdem ich nach einigen Jahren ohne mit der Alpha 6000 nun wieder eine Kamera mit Sucher habe, die Bilder „anders“ werden. Auch wenn ich das derweil bewusst nur mit dem Standard-Objektiv SEL 1650 mache.

    Mir sind Deine Beiträge also ein willkommener Kontrast und weit lieber als bei den Blogs oder Portalen, bei denen nur das „nackte“ Foto, vielleicht sogar noch als HDR, zählt. Ein Wettbewerb in Sachen Schärfe, Kontrast, Belichtungszeit u.a.

    Kritik zu äussern maße ich mir auch deshalb nicht an, weil ich über mein (Nicht-)Können schon gut Bescheid weiß. Ich habe Spaß am Fotografieren, freue mich, wenn ich die Fotos zu Hause ausarbeite und nach Jahren gerne mit meiner Familie anschaue. Das genügt mir.

    Besten Gruß, Robert

    • Hallo Robert,

      vielen Dank für deine Worte. Es freut mich zu hören, dass du viele meiner Beiträge gelesen hast und sie für dich “einen willkommenen Kontrast“ darstellen. Das ist für mich ein großes Kompliment. Danke auch, dass du hier schreibst, wie du mit dem Kritik geben umgehst. Ich wünsche dir noch viele schöne Fotos mit der Sony Alpha 6000 🙂

      Viele Grüße
      Aleksandra

  2. Liebe Aleksandra,
    also mir gefällt das Bild von deiner Oma sehr, gerade wegen des ausgefallenen Settings finde ich es ungewöhnlich, originell und authentisch – ich muss allerdings auch zugeben, dass ich vom Fotografieren (wie Du weißt) 🙂 keine Ahnung habe.
    Ich möchte daher nur etwas zum Thema Kritik an sich sagen. Ich schreibe einen Feminismus-Blog und Bücher und bei Amazon ist es ganz normal, dass Leser ihre Rezensionen online hinterlassen – die guten wie auch die schlechten, und das gefällt mir sehr bei Amazon. Ich freue mich zwar, dass die große Mehrheit der Leute meine Bücher mag, freue mich aber auch über negative Kommentare und habe auch selbst schon Bücher anderer Autoren negativ oder positiv rezensiert. Ich glaube, was Kritik von Werken angeht, ist der Unterschied zwischen Texten und Bildern nicht so groß, deshalb wollte ich dir einfach kurz meine Meinung dazu sagen. Ich stimme nicht mit dir darüber überein, dass der Kritiker hinterfragen muss, in welcher Situation ein Bild/Text entstanden ist oder was der Fotograf/Schriftsteller für eine emotionale Bindung zu diesem Werk hat. In dem Moment, in dem ich etwas von mir erstelltes der Öffentlichkeit preisgebe, muss es bestehen können. Wenn jemand mir sagt, dass der Satzbau in Kapitel 3 meines Buches fehlerhaft ist, darf ich das nicht „wegargumentieren“ damit, dass ich zu dieser Formulierung so eine enge Bindung habe. Emotional bedeutsame (aber künstlerisch wertlose) Dinge kann ich in mein Tagebuch schreiben, wenn ich aber ein Buch veröffentliche, muss es bzw. ich der Kritik standhalten können. Was ich persönlich liebe und was veröffentlichenswert ist sind zwei vollkommen verschiedene Dinge.
    Wenn ich ein anderes Buch negativ rezensiere und dann seitenlange Begründungen und Widersprüche des Autors bekomme, nervt mich das sehr, denn wenn sein Buch mich nicht überzeugen konnte, dann wird es seine Erläuterung sicher auch nicht. Wenn jemand mein Buch kritisiert fange ich daher auch keinerlei Diskussion an, weil der Kritiker ein Recht auf seine Meinung hat und sie mir gegenüber nicht rechtfertigen muss, mich nicht überzeugen muss; ganz im Gegenteil hätte mein Werk IHN überzeugen müssen und das habe ich dann offensichtlich nicht geschafft. Verstehst du, was ich meine? Gerade im literarischen Bereich sind diese Self-Help-Bücher eine Pest, die grauenhaft geschrieben sind, sich aber damit rechtfertigen, dass sie ja einen autobiografischen Wert für den Verfasser haben. Bei Fotos ist das sicherlich ein wenig anders und vermutlich auch mehr vom subjektiven Geschmack abhängig, das kann ich nicht beurteilen, aber grundsätzlich gilt meiner Meinung nach: wenn ein Kunstwerk (egal ob geschrieben, gemalt, fotografiert…) nicht ohne Erläuterung bestehen/verstanden werden kann, wenn ich es nur in Kenntnis eines Kontexts schätzen kann, muss es meiner Meinung nach überarbeitet werden oder dieser Kontext (wie dein Kritiker ja vorgeschlagen hat) muss von vornherein mitgeliefert werden. Inwieweit das alles auf dein Bild zutrifft, weiß ich nicht (mir gefällt es wie gesagt ganz ohne Kontext; mir hätte es auch gefallen, wenn das eine für dich vollkommen fremde Frau wäre und wenn es mir nicht gefiele, hätte die Info, dass du das mit 15 von deiner Oma gemacht hast, mich nicht umgestimmt, weil das meiner Meinung nach irrelevant ist), das waren nur meine Gedanken über Kritik und den Umgang mit ihr generell.
    Liebe Grüße,
    Jacqueline

    • Hallo Jaqueline!

      Passt eigentlich eh alles, was Du da einbringst.

      Ein Unterschied ist jedoch, vielleicht liege ich auch ganz falsch damit:
      Du schreibst über Kritik an kommerziellen Produkten – Deinen Büchern. Und Aleksandra hat über zwar ebenfalls über veröffentlichte aber nicht kommerzielle Produkte – ihre Fotos – geschrieben. Da geht’s also nicht um Verkäufer und Käufer sondern um einen Austausch, um Diskussion.

      Besten Gruß!

    • Hallo Jacqueline,

      vielen Dank für deinen Kommentar und deine Sicht zum Kritik geben und Kritik annehmen.

      Das Beispiel mit dem falschen Satzbau fällt für mich in eine objektive Kritik, die für dich und für alle anderen auch ohne große Begründung nachvollziehbar ist. Hier wäre es natürlich grotesk, diesen Fehler mit emotionaler Bindung wegzuargumentieren. 🙂

      Überhaupt geht es nicht darum, andere Meinungen wegzuargumentieren. Du kannst auf die Kritik eingehen und erklären, warum du dieses Werk – auch wenn es für den ein oder anderen fehlerhaft ist – doch veröffentlicht hast. Es gibt da schon Unterschiede zwischen Texten und Fotografien. Mir fällt jetzt keiner meiner Texte ein, zu dem ich eine emotionale Bindung habe 🙂 Mit der Fotografie ist das bei mir aber anders. Ein Foto einer geliebten Person kann viel in mir auslösen – auch wenn es nicht perfekt ausgelichtet, HD-scharf etc. ist.

      Speziell in der Fotografie gibt es immer wieder Diskussionen darüber, was ein gutes Foto ausmacht. Gibt es das unter Autoren auch? Das verfolge ich da nicht so. Lieber ein technisch fehlerhaftes Foto, das einen emotional berührt (wie in meinem Fall die emotionale Bindung an dieses Bild), als gar kein Foto, weil ich zu sehr an der Technik feile, den perfekten Bildausschnitt suche, gerade nicht das Portraitobjektiv dabei habe, etc. In der Fotografie gibt es oft nur den Bruchteil einer Sekunde, der perfekt ist, und sich nicht wiederholen lässt. Das ist dann beim geschriebenen Wort anders. Du kannst feilen und überlegen und streichen und neu schreiben.

      Natürlich kann man jetzt argumentieren, Privates gehört halt dann nicht hierher – oder wie du sagst in ein Tagebuch (oder in das private Fotoalbum). Aber ich habe mich dazu entschieden, dieses Foto zu teilen, mir gefällt es, für mich hat es etwas Künstlerisches und dazu eine emotionale Bindung, wodurch ich für Kritik an diesem Foto einfach nicht empfänglich bin – ich nehme sie zur Kenntnis, aber das Foto kann ich so nicht mehr aufnehmen. Ich verstehe deinen Einwand, dass der Kritiker nicht hinterfragen muss, in welcher Situation das Werk entstanden ist oder welche emotionale Bindung der Urheber dazu hat; aber wenn der Kritiker diese Hintergrundinformationen kennt, kann er vielleicht auch meine Argumente verstehen oder nachvollziehen, warum ich seine Kritik nicht annehmen kann.

      Du schreibst: „Wenn ich ein anderes Buch negativ rezensiere und dann seitenlange Begründungen und Widersprüche des Autors bekomme, nervt mich das sehr, denn wenn sein Buch mich nicht überzeugen konnte, dann wird es seine Erläuterung sicher auch nicht. Wenn jemand mein Buch kritisiert, fange ich daher auch keinerlei Diskussion an, weil der Kritiker ein Recht auf seine Meinung hat und sie mir gegenüber nicht rechtfertigen muss, mich nicht überzeugen muss; ganz im Gegenteil hätte mein Werk IHN überzeugen müssen und das habe ich dann offensichtlich nicht geschafft. Verstehst du, was ich meine?“

      Genau darauf bin ich auch eingegangen: Wenn du jemanden kritisierst, wird eine Reaktion kommen – egal in welcher Form und wenn es dann seitenlange Begründungen auf deine Kritikpunkte sind, dann ist das doch eigentlich ein Kompliment an dich, dass sich jemand mit deinen Äußerungen, Kritikpunkten, Inhalten, Anmerkungen etc. wirklich intensiv auseinander gesetzt hat. Du hast dir die Mühe gemacht, deine Gedanken zu sammeln, sie niederzuschreiben und sie ihm mitzuteilen. Du hast Zeit investiert (mal mehr, mal weniger). Wenn dann überhaupt keine Reaktion kommt – weder zustimmend, noch ablehnend, noch bedankend – was sagt das dann über den Kritisierten aus?

      Außerdem finde ich, dass Kritik ein Dialog ist. Wenn du auf die Kritikpunkte eingehst, widerlegst oder zustimmst, ist das kein Beschneiden oder Ausredenwollen der Meinung einer anderen Person sondern – wie ich finde – ein Gedankenaustausch. Wie oben aufgeführt, finde ich es auch schade, wenn man auf eine gute, nachvollziehbare oder ausführliche Kritik überhaupt nicht eingeht.

      Viele Grüße
      Aleksandra

  3. Hi Aleksandra,

    erst mal ganz großen Respekt, wie Du das Thema und den Anlass dazu hier zusammen gefasst hast.

    Ich selber halte mich Kritik sehr zurück. Wenn ich von Freunden/Bekannten gezielt gefragt werde, dann gehe ich in erster Linie mal auf technische „Fehler“ ein. Typisches Beispiel: Tierfoto und irgendwas am Bauch ist scharf aber das Gesicht bzw. die Augen liegen im unscharfen Bereich. Ebenso einfach ist das bei verwackelten Bildern, da kann man gezielt drauf eingehen und auch erklären, wie man das besser machen kann.

    Kritisch wird es schon bei Unter- bzw. Überbelichtungen. Da frage ich schon nach, ob das nicht u.U. gewollt ist. Vielleicht hat sich der/die FotografIn was dabei gedacht.

    Und beim Thema Bildaufbau, Bildgestaltung usw. bin ich sehr zurückhaltend. Die Sichtweise darauf ist einfach zu subjektiv. Da hat irgendwie jeder seinen eigenen Stil, seine eigene Vorstellung. Und das ist auch gut so, denn sonst wäre es langweilig. Das geniale an der Fotografie ist doch die Tatsache, das man ein Motiv von 10 Fotografen ablichten lässt und 10 verschiedene Ergebnisse bekommt. Davon können mir einige zusagen, andere finde ich dann nicht so prall. Aber wer bin ich, dass ich mich dann hinstelle und meine Sichtweise als die vom Fotogott gegebene anpreise.

    Und genau das stört mich bei vielen Bildkritiken im Internet. Sei es bei Flickr, in Fotoforen, Communitys, Facebook-Gruppen, und so weiter. Überall gibt es diese Überfotografen, die meinen ihre Sichtweise auf ein Bild ist die einzig Richtige. Und das in einer Art und Weise, da bekomme ich einen Hals – selbst wenn es nicht um meine Bilder geht.

    Ich meide diese ganzen Gruppen und Gemeinschaften inzwischen wie die Pest. Ich schaue mir gerne mal Bilder dort an, lasse mich auch gerne inspirieren aber die ganzen Diskussionen bestrafe ich mit Missachtung.

    Ich selber hole mir auch Kritik für meine Bilder – dies aber bei befreundeten Fotografen, an einem gemütlichen Abend, wo wir gegenseitig unsere Bilder offen und ehrlich begutachten. Dabei wird auch mal Klartext gesprochen, wirkliche Mängel oder Fehler kommen auf den Tisch – aber alles mit Respekt, Anstand und auf Augenhöhe.

    LG Thomas

    • Lieber Thomas,

      vielen Dank, dass du so ausführlich beschreibst, wie du damit umgehst, wenn dich jemand nach deiner Meinung fragt und wie du dir Kritik einholst. Ich kann dir da in allen Punkten nur zustimmen. Wir gehen da wohl gleich vor, was das Kritik geben und Kritik annehmen angeht 🙂

      Liebe Grüße
      Aleksandra

  4. Hey Aleksandra.
    Ein toller, ehrlicher Beitrag der sich mit einem absoluten Tabuthema beschäftigt. Umso schöner das Du es trotzdem ansprichst. Wir haben uns ja schon auf unserem Fotowalk über genau diese Situation unterhalten. Und ich bin nach wie vor der Meinung, das ein solches Foto (das ich sehr mag, ganz nebenbei) mit einer solchen Bedeutung einfach eine Daseinsberechtigung hat. Voll und ganz. Und das musst Du Dir von niemandem schlecht reden lassen. Es gibt auch Augenblicke im Leben die nicht in Perfektion fotografiert werden dürfen. Als Erinnerung. Als festhalten eines besonderen Moments. Denn auch das ist Fotografie. Und natürlich hättest Du einen mega hippen Filter drüber legen können. Aber warum? Das es besser ankommt? Was bringt das? Ich finds toll und ich hoffe Du behälst Dir diese Eigenschaft. Die Eigenschaft der authentischen Fotografie. Ohne immer nur die Perfektion im hinterkopf zu haben….
    lg Markus

    • Lieber Markus,

      danke für deine Worte. Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Beitrag veröffentliche. Ich hatte meine ersten Gedanken schnell heruntergetippt, aber dann ruhte der Artikel lange auf meinem Computer vor sich hin. Das lustige ist, ich wollte meinen Kritiker nicht vor den Kopf stoßen. Aber während des Schreibens ist mir auch aufgefallen, warum ich wenig bis gar nicht kritisiere und eins kam zum anderen. Es geht darum, wie man jemanden kritisiert, es ist eine Kunst, die leider wenige beherrschen. Viele (aber nicht alle) denken, dass man einfach nur seine Meinung laut und deutlich und ohne Widerrede zu akzeptieren kundtun muss – und das sei dann Kritik. Das sind diese „Überfotografen, die meinen ihre Sichtweise auf ein Bild ist die einzig Richtige“, so wie Thomas es gut auf den Punkt gebracht hat.

      Aber bei einer Kritik geht es um viel mehr. Eine Kritik soll einen ja voranbringen. Und sie muss im richtigen Ton verfasst oder gesagt werden, um nicht zu verletzen. Aber es bleibt natürlich jedem selbst überlassen, ob man eine Kritik annimmt oder nicht. Denn nicht jede Kritik hat ihren Wert und ihre Berechtigung.

      Ich muss sagen, ich bin froh, dass alles so gekommen ist, denn so konnte ich mir ganz viele Gedanken zu diesem Thema machen und selbst daran wachsen und zu neuen Erkenntnissen gelangen.

      Viele Grüße
      Aleksandra

  5. ein super umfassender artikel zu einem thema, das ziemlich brisant ist in der heutigen zeit.
    ich gehöre grundsätzlich auch zur nummer 1, ich gebe nur sehr, sehr selten negative kritik zu einem bild ab. wenn dann nur bei leuten, die das bei mir auch tun und bei denen ich davon ausgehe, dass sie auch selber hören möchten, wenn mir etwas auffällt. manchmal passiert es aus einem impuls heraus (das bild gefällt mir, aber wenn es ein bisschen so oder so wäre käme vielleicht diese oder jene wirkung besser zur geltung) und manchmal, wenn jemand direkt danach fragt.
    ich bin mit kritik aber sehr vorsichtig und sparsam und versuche sie immer so konstruktiv wie möglich zu verfassen. ich schließe da von mir auf andere: ich tu mir schwer mit kritik bei bildern, vielleicht auch, weil ich nicht aus einem technischen anspruch, sondern aus einem gefühl heraus fotografiere. ich will momente mitnehmen und kein perfektes bild erschaffen. das bild ist so entstanden, weil ich so bin und kritik daran trifft mich im innersten und meist geht es mir eben einfach auch nicht darum. wenn ich fotografiere, dann denke ich nicht, dann fühle ich – und ins fühlen lässt man sich ungern dreinreden.

    dein bild finde ich übrigens interessant, und mit der geschichte noch einmal schöner, ein klares JA also zur bedeutung. trotzdem bist du nicht verpflichtet, die bedeutung zu teilen und es muss sich niemand bemüßigt fühlen, dich ungefragt mit kritik zu überhäufen.

    so, es gäbe dazu noch unendlich viel zu sagen, das würde aber nur ausufern, also belasse ich es soweit dabei 😉

    ich habe übrigens aufgehört, bilder in facebookgruppen zu teilen. ich finde, dass der umgangston dort oft sehr destruktiv und absichtlich verletzend ist. sowas muss man sich nicht anhören.

    • Liebe Paleica,
      vielen Dank für deinen Kommentar und deine Sichtweise auf das Kritik geben und annehmen. An deinen Ausführungen merke ich, wie sehr man sich doch selbst mit den eigenen Fotos identifiziert und warum einen dann die Kritik auch so trifft. Deswegen ist es auch so wichtigen, auf den richtigen Ton und Umgang beim Kritik geben zu achten.
      Liebe Grüße
      Aleksandra

  6. Hallo Aleksandra,
    Bildkritiken sind für mich sehr wichtig. Zumindest, wenn ich meine fotografischen Fähigkeiten verbessern möchte.
    Manchmal ist es allerdings nicht ganz einfach eine konstruktive Kritik von einem persönlichem Geschmacksempfinden zu unterscheiden. Beides ist oft fließend. Mal mehr oder weniger sinnvoll und berechtigt.

    Am meisten habe ich mich fotografisch verbessert, als in einem Fotoclub meine Fotos konstruktiv kritisiert wurden. Nicht alles was da konstruktiv. Bei manchen Menschen kommt da Neid und Geschmack zum Vorschein. Nicht immer ist die Trennung für den Bildautoren einfach. Man muß auch lernen zu erkennen, welche Kritik bzw. Verbesserung wirklich etwas bringt.

    Da spielen sicherlich viele Faktoren eine Rolle. In einem Workshop über die Bildbeurteilung wurde mir zum ersten Mal bewusst gemacht, wieviele Kriterien es geben kann, die einen Betrachter über ein gutes oder schlechtes Foto entscheiden lassen. Der Workshop ging zwei Abende mit je 1 1/2 Stunden!
    Vieles spielt sich dabei auch im Unterbewusstsein des Menschen ab. Viele Bildeindrücke sind auch Bauchentscheidungen. Je nach dem was der Bildbetrachter für Erlebenisse und welches Wissen er hat.

    Für mich sind Bildkritiken für meine fotografische Weiterentwicklung wichtig.
    Aber nur dann, wenn ich dazu aufgefordert habe.
    Ich mag keine Bildkritiken, wenn ich nicht dazu aufgefordert habe. Insbesondere bei Fotos mit Erinnerungswert.
    Ich mag auch keine Bildkritiken, die recht barsch kommuniziert werden. Wobei ich mir später konstruktive Ideen dennoch in Betracht ziehe.

    Bildkritiken sind wichtig, wenn man sich weiterentwickeln möchte.
    Bildkritiken sind aber nicht alles.

    Ich finde es sehr gut, daß du in deinem Artikel Tipps gibst, wie man eine Kritik höflich rüber bringt! Da habe ich schon einiges richtig gemacht 😉
    Es gibt aber noch viele Fotokritiker da draussen, die können von dir noch einiges im Umgang mit Kritiken lernen.

    Danke für den tollen Artikel!

    LG
    Bernd

    • Lieber Bernd,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Dem ist nicht viel hinzuzufügen.

      Ich kann mir gut vorstellen, dass so ein Fotokritik-Workshop lange dauert, denn es spielen, wie du auch sagst, so viele Faktoren eine Rolle: das eigene Wissen, das Wissen über die Intention des Fotografen, die eigenen Erfahrungen, der Background und, und, und. Und ich kenne es ja auch, dass ich bei einem Foto ziemlich schnell aus dem Bauch heraus entscheide, ob es mir gefällt oder nicht.

      Es freut mich, dass du den Artikel hilfreich findest. Leider werde ich die barschen und selbstüberzeugten Kritiker nicht alle erreichen und wahrscheinlich wird sie dieser Artikel auch nicht von ihrem Verhalten abbringen, aber ich hoffe doch, den ein oder anderen ein bisschen zum Nachdenken über den Ton und die Art und Weise, wie sie ihre Kritik abgeben, anregen zu können.

      Liebe Grüße
      Aleksandra

  7. Pingback: Ich stand mit Rolf Zuckowski auf der Bühne | Aleksandras Fotoblog

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