Workflow Bildbearbeitung eines Schwarz-Weiß-Fotos in Lightroom 5

Heute ist der letzte Tag im August des Jahres 2015. Ich habe mich einen Monat lang der Schwarz-Weiß-Fotografie gewidmet, habe einen Monat lang nur schwarz-weiß gesehen. Ich habe viel gelernt und fotografiert und nun ist es an der Zeit, die Schätze und Fundstücke der letzten Wochen zu bearbeiten beziehungsweise dir noch den ein oder anderen nützlichen Tipp zur Bildbearbeitung für Schwarz-Weiß mitzugeben.

Diesen Beitrag habe ich in drei Teile gegliedert:

  • Workflow Bildbearbeitung in Lightroom 5
  • Bildbearbeitung auf ganz schnelle Art und Weise: Presets und Plug-ins
  • Zwei kostenlose Alternativen zu Lightroom und Photoshop

Ich nutze für die Bildbearbeitung hauptsächlich Lightroom (in der Version 5), denn es ist ein unglaublich starkes Tool. Photoshop verwende ich nur für Fotos, wo ich mit Ebenen arbeiten möchte oder muss, wie zum Beispiel beim Einfügen von Texten. Und daher möchte ich dir heute meinen Workflow für die Bildbearbeitung in Lightroom zeigen. Und selbst wenn du kein Lightroom hast, kannst du sicherlich etwas mitnehmen, nämlich warum Schwarz-Weiß nicht gleich Schwarz-Weiß ist; denn die Farbanteile in deinem Foto spielen auch eine wichtige Rolle, deswegen empfehle ich dir auch noch mal, immer in RAW zu fotografieren und das Bild erst hinterher in SW zu konvertieren.

Für diesen Beitrag gehe ich davon aus, dass du bereits Lightroom-Grundkenntnisse hast und weißt, wie man Bilder importiert und bearbeitet. Falls du dir die Grundkenntnisse für Lightroom noch aneignen musst, kannst du dich zum Beispiel durch die Tutorials von Adobe klicken.

Ich zeige dir anhand dieses Fotos, wie ich meine Bilder in Schwarz-Weiß bearbeite.

DSC_0388-3

1. Lightroom-Workflow

Wenn du deine Kamera auf den Schwarzweißmodus eingestellt und in RAW fotografiert hast, wirst du feststellen, dass deine importierten Fotos trotzdem in Farbe sind. Bevor du das gewünschte Foto gleich umwandelst, zähle ich erst einmal meinen Workflow auf:

  • Objektivkorrektur
  • Allgemeine Bildbearbeitung
  • Lokale Bildbearbeitung

Objektivkorrektur

Als aller erstes gehe ich immer in die Objektivkorrektur. Dort setze ich das Häkchen bei Profilkorrekturen aktivieren und Chromatische Aberration entfernen.

Objektivkorrektur 1-Dann kontrolliere bei Profil, ob dein Objektiv erkannt wurde. Dies ist wichtig, um zum Beispiel eine Verzeichnung zu beheben. Lightroom hat eine Liste mit Objektivprofilen hinterlegt und wenn dein Objektiv nicht automatisch erkannt wird, dann kannst du es noch über das Dropdown-Menü versuchen.

Objektivkorrektur 2Wenn du alle deine Fotos mit dem gleichen Objektiv aufgenommen hast, solltest du sie alle markieren und per Synchronisation die Objektivkorrektur auf alle Fotos anwenden. Dies erspart dir Arbeit, dauert nur ein paar Sekunden und eine eventuelle Verzeichnung oder chromatische Aberration wird damit auf einen Schlag behoben.

Allgemeine Bildbearbeitung

Ich unterteile die Bildbearbeitung in allgemeine und lokale Änderungen. Die allgemeinen Änderungen zeigen Wirkung auf das ganze Bild, dazu schaue ich mir neben den Objektivkorrekturen immer auch folgende Register an:

  • Grundeinstellungen
  • Gradationskurve
  • HSL / Farbe / SW
  • Teiltönung

Ich fange immer mit den Grundeinstellungen an. Hier kannst du das Farbbild mit nur einem Klick in Schwarz-Weiß umwandeln.

Grundeinstellungen 1Und nun geht es an die Regler für Belichtung, Kontrast, Lichter, Tiefe, Weiß, Schwarz und Klarheit, so wie es dir am besten gefällt.

Grundeinstellungen 2Im zweiten Schritt kannst du mit der Gradationskurve nochmal die hellen und dunklen Stellen feiner anpassen, dies ist aber kein Muss, wenn du über die Grundeinstellungen schon ein für dich akzeptables Ergebnis erzielt hast. Ich habe die Kurve nicht mehr geändert. Manchmal komme ich auch am Ende noch einmal zur Gradationskurve zurück.

GradationskurveBei dem Register HSL / Farbe /SW geht es an die Schwarzweißmischung. Wie du sicher oft gehört hast, ist Schwarz-Weiß nicht gleich Schwarz-Weiß. Hier kannst du deinem Bild noch mal einen extra Touch verpassen.

HSL Farbe SW 1

HSL / Farbe / SW – Vorher

Die RAW-Datei enthält alle Farbinformationen deines Fotos. In meinem Blumenbild sind die Farben Gelb, Grün, Orange und ein ganz wenig Rot enthalten. Spiele mit diesen Reglern. Du wirst erstaunt sein, wie sich die Stimmung in deinem Foto verändert.

HSL Farbe SW 2

HSL / Farbe / SW – Die Schwarzweißmischung sieht am Ende so aus.

Die größte Wirkung auf das Bild hatten die Rot-, Orange-, Gelb- und Grünanteile. Da das Bild keine Aquamarin-, Blau-, Lila- oder Magentatöne hat, hat auch das Drehen an diesen Reglern keine Auswirkung auf das Foto gezeigt. Daran siehst du, dass Schwarz-Weiß nicht gleich Schwarz-Weiß ist.

Zuletzt kannst du deinem Foto noch eine Teiltönung verpassen. Eine Teiltönung bedeutet, dass du dem Bild, auch wenn es Schwarz-Weiß ist, eine Stimmung gibst. Diese reicht von Gelb über Lila, Blau und Rot. Ich persönlich bin kein Fan von Teiltönungen und nutze diese Option sehr selten. Aber behalte dir diese Möglichkeit im Hinterkopf.

Teiltönung 1

Teiltönung 1 – Hier habe ich nur die Lichter beeinflusst

Teiltönung 2

Teiltönung 2 – Und so sieht das Foto in Kombination mit teilgetönten Schatten aus.

Da ich aber wie gesagt kein großer Fan davon bin, habe ich diese Änderungen wieder rückgängig gemacht.

Mehr mache ich in der Regel bei der allgemeinen Bildbearbeitung nicht.

Lokale Bildbearbeitung

Zu den lokalen Bildbearbeitungen, also Anpassungen, die nur einen Teil des Fotos betreffen, gehören:

  • Zuschneiden
  • Bereichsreparaturen
  • Verlaufsfilter
  • Radial-Filter
  • Korrekturpinsel

Bei diesem Foto habe ich nur noch den Verlaufsfilter angewendet, um die linke Seite schön abzudunkeln:

Mit VerlaufsfilterDie Belichtung habe ich auf -4,00 gesetzt. Et voilà. Fertig ist das Bild.

2. Bildbearbeitung auf ganz schnelle Art und Weise: Presets und Plug-ins

Ich habe die Zeit nicht gemessen, aber ich denke, dass ich für die Bearbeitung dieses Bildes nicht länger als fünf Minuten gebraucht habe. Noch schneller geht es natürlich mit Presets und Plug-ins.

Lightroom-Presets

Über Lightroom-Presets habe ich bereits vor einigen Monaten geschrieben. Du kannst sie downloaden, selbst erstellen und abspeichern und so auf neu importierte Fotos anwenden. Sie geben deinem Bild mit nur einem Klick einen bestimmten Look. Du kannst trotz Preset noch an den Reglern drehen, um das Ergebnis zu verfeinern.

Ich nutze Presets auch am häufigsten, um ein bisschen mit verschiedenen Looks zu experimentieren, auf die ich von alleine vielleicht gar nicht gekommen wäre.

Nicole S Young - Seattle B&W - Cloud Cover

Nicole S Young – Seattle B&W – Cloud Cover

Nicole S Young - Beautiful B&W - Nostalgia

Nicole S Young – Beautiful B&W – Nostalgia

Amanda Diaz - Grainy Black & White

Amanda Diaz – Grainy Black & White

Plug-ins: Nik-Collection – Silver Efex Pro 2

Ein Plug-in, von dem ich bei meinen Recherchen zur SW-Bildbearbeitung immer wieder gelesen habe, ist das Silver Efex Pro 2. Dieses Plug-in kommt mit einer Sammlung von 35 Presets, die mit nur einem Klick dein Foto in Schwarz-Weiß umwandeln oder ihm ein ganz neues Aussehen verpassen.

DSC_0388-Bearbeitet

Silver Efex Pro 2 – Stil Vintage – der Rahmen wurde automatisch vom Programm eingefügt.

DSC_0388-Bearbeitet-2

Silver Efex Pro 2 – Stil Trist

Auch diese Bilder kannst du noch nachbearbeiten.

Die Nik Collection muss man kaufen und sie umfasst neben dem Silver Efex Pro 2 noch sechs weitere Plug-ins für eine noch präzisere Bildbearbeitung. Vor einem Kauf kannst du dir die Demo-Version herunterladen und für 15 Tage testen. Beim Download bekommst du neben dem Silver Efex Pro 2 auch alle anderen Plug-ins zum Ausprobieren. Der Kostenpunkt für die Nik-Collection liegt momentan bei 119,00 Euro.

Mein Fazit zu dem Silver Efex Pro 2: Es hat mich echt beeindruckt. Die Schwarz-Weiß-Bilder haben einen Wow-Effekt. Es ist einfach in der Handhabung. Ich die verbleibenden Tage der Demoversion noch voll ausnutzen.

3. Zwei kostenlose Alternativen zu Lightroom und Photoshop

Dies soll keineswegs Werbung für Adobe-Produkte sein, das sind nur die Programme, die ich nutze. Falls dir eine Investition zu teuer ist, dann schau dir zum Beispiel diese zwei kostenlosen Alternativen an: Google Picasa und Gimp.

Google Picasa

Picasa hat zwar keine Schwarzweißmischung wie Lightroom, aber du kannst auch dort deine Farbfotos in Schwarz-Weiß konvertieren und deinem Foto mit verschiedenen Filtern und nur einem Klick einen bestimmten Look verpassen.

Gimp

Das kostenlose Programm Gimp bietet bei der Schwarz-Weiß-Konvertierung schon mehr Möglichkeiten an. Da kannst du tatsächlich an die Grün-, Gelb-, Blau- und Rottöne gehen und diese verändern.

Es gibt sicherlich noch andere kostenlose Programme. Wenn du noch ein gutes Bildbearbeitungsprogramm kennst, dann poste es in die Kommentare.

Das Ende des Projektmonats und Schluss mit Schwarz-Weiß

Das war er also, der August in Schwarz-Weiß. Ich habe sehr viel über die Schwarz-Weiß-Fotografie gelernt, viele beeindruckende Fotos gesehen und neue Fotografen entdeckt und kann für meinen Teil sagen: Mir gefällt es, mir hat es Spaß gemacht in dieses Genre einzutauchen und ich werde weiterhin in Schwarz-Weiß fotografieren und bestimmt noch einige Bilder in Schwarz-Weiß konvertieren.

Das inflationär verwendete Wort Schwarz-Weiß wird im nächsten Monat nicht mehr so oft fallen, höchstens noch ein paar Mal bei der Zusammenfassung und dem Fazit zur Blogparade Der August in Schwarz-Weiß, bei der du noch bis einschließlich 07.09.2015 mitmachen kannst. Ich freue mich sehr, dass sich doch einige Teilnehmer trotz Sommerzeit und Sommerhitze gefunden haben und ihre Schwarz-Weiß-Fotos und ihre Sicht der Welt in Schwarz-Weiß mit uns teilen. Eine Liste mit den bisherigen Blogbeiträgen zur Parade findest du hier: Der August in Schwarz-Weiß – Eine Mitmachaktion und Blogparade.

Alle weiteren Teile im Überblick:

Und nächste Woche gibt es auf jeden Fall was ganz anderes als Schwarz-Weiß, ich verspreche es 🙂

11 Gedanken zu „Workflow Bildbearbeitung eines Schwarz-Weiß-Fotos in Lightroom 5

  1. Liebe Aleksandra,

    vielen Dank für Deinen ausführliche Workflowbeschreibung. Sie gefällt mir sehr und man kann was davon lernen. 🙂

    Was mir grundsätzlich bei den Beschreibungen der digitalen Filter allgemein fehlt, ist die zu erwartende Wirkung. Da hat jetzt nichts mit Deinem Beitrag zu tun, sondern ist ein allgemeines Manko bei den Beschreibungen der Bildbearbeitungsprogramme, find ich. Es wird viel über das „Wie bediene ich was“ gesprochen, aber kaum über das „Was erreiche ich damit“. Man hat ‚zig Schieberegler zu bedienen und weiss aber oft nicht genau, was diese bewirken.

    Man dreht herum nach dem Try and Error -Prinzip und irgendwann passt es.

    Schöner wäre es natürlich, wenn ich schon vorher weiss, was ich für eine Wirkung erzielen will und mit welchen Filtern bzw. Reglern ich dies erreichen kann.

    Dafür sind die Beschreibungen der Analogfilter, finde ich, sehr hilfreich.

    zum Beispiel : http://www.elmar-baumann.de/fotografie/techtutorial/filter-10.html

    Was ich ausserdem zu dem Thema noch empfehlen kann, ist die Lektüre von dem grossen Meister Andreas Feininger. In der „hohen Schule der Fotografie“ wird da sehr ausführlich auf die Wirkung der einzelnen Filterfarben auf das Schwarz-Weiss Bild eingegangen. Wenn man Silver Efex hat, kann man diese Filter ja direkt benutzen und so die Analogtechnik quasi „nachahmen“. Das ist noch ein Grund, der für die Benutzung von Silver Efex spricht, finde ich.

    Aber all das muss nicht sein. Viele Wege führen nach Rom und wenn man sich an „seine“ Bildwirkungen anders herantasten kann, ist das natürlich auch o.k.

    • Lieber Michael,

      vielen Dank für deine ergänzenden Gedanken und dem Link zu Elmar Baumann, der die Wirkung von Analogfiltern gut beschreibt. Ich hatte überlegt, über die analogen Filter zu schreiben, habe dann doch einen Rückzieher gemacht, da mir die praktische Erfahrung fehlt. Andreas Feininger kannte ich noch nicht, danke für den Tipp.

      Viele Grüße
      Aleksandra

  2. Hey Aleksandra,
    ich habs Dir ja schonmal geschrieben. Das ist langsam echt ein Niveau wie aus nem Lehrbuch das Du in deinem s/w – Projekt an den Tag legst, Hut ab!! Ehrlich!
    Mein s/w Beitrag ist fast fertig. Ich schaff es noch vor dem 07.09. ;-))
    lg Markus

  3. Hallo Aleksandra,

    habe den Beitrag mit Interesse gelesen und werde mich mit Sicherheit das ein oder andere Mal an einem Projekt versuchen.
    Ich habe übrigens einmal eine Vollversion von Perfect Effects 8.0 von onOne in einer Fotozeitung als kostenlose Beilage erhalten.
    Für Jemanden, der keinen großen Aufwand betreiben will und kann, bietet diese Software eine Menge brauchbarer Presets, die sich aber alle noch anpassen lassen.
    Die Ergebnisse sind m.E.nicht übel.

    Gruß
    Heiner

    • Hallo Heiner,
      freut mich, dass dich der Beitrag anregt, dich auch an einem Projekt zu versuchen. Viel Spaß und Erfolg dabei.
      Danke für den Tipp mit Perect Effects 8.0, diese Software kannte ich noch nicht.
      Viele Grüße
      Aleksandra

  4. Pingback: Sammlung der Blogbeiträge zu der August in Schwarz-Weiß und mein Fazit | Aleksandras Fotoblog

  5. Pingback: Was ist Schwarz-Weiß-Fotografie und was ist sie nicht? | Aleksandras Fotoblog

  6. Pingback: Ein Schwarz-Weiß-Foto gestalten | Aleksandras Fotoblog

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.