Ein Schwarz-Weiß-Foto gestalten

Ich hoffe, dass du das Schwarz-Weiß-Sehen in der letzten Woche gemütsmäßig gut überstanden hast und nun bereit bist, dein Schwarz-Weiß-Foto aktiv zu gestalten. Wenn du dir die weiterführenden Links aus dem letzten Beitrag angeschaut hast, hast du sicherlich die Quintessenz für ein gutes Schwarz-Weiß-Foto erkannt:

[bctt tweet=“Licht und Schatten oder helle und dunkle Töne müssen miteinander harmonieren.“]

Bestimmt hast du bereits das ein oder andere Schwarz-Weiß-Foto gemacht oder ein Farbfoto umgewandelt. Vielleicht ist die Entscheidung zu Schwarz-Weiß bisher unbewusst gefallen oder einfach mal durch Ausprobieren am Computer, wie das Farbfoto in Schwarz-Weiß wirkt. Oder du dachtest dir schon vor dem Auslösen: „Das macht sich bestimmt gut in Schwarz-Weiß!“ Aber warum du mit deinem Bauchgefühl richtig lagst, war dir nicht klar.

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Beim Betrachten von Schwarz-Weiß-Fotos im Internet oder auch in Fotobüchern habe ich fünf Faktoren erkennen können, warum die Fotos eine starke Wirkung haben. Diese fünf Faktoren stelle ich dir heute vor und in dieser Woche sollst du raus gehen und bewusst Motive suchen, die sich für Schwarz-Weiß eignen und dein Foto vor dem Auslösen gestalten.

Du wirst feststellen, dass diese Hinweise nicht ausschließlich für Schwarz-Weiß gelten, aber doch sehr viel ausmachen und dir Zeit in der Bildbearbeitung ersparen, wenn du bewusst an die Komposition deines Bildes herangehst.

1. Kontrast

Das ist wohl das wichtigste Gestaltungselement in der Schwarz-Weiß-Fotografie. Das Wort bezeichnet den Unterschied in der Helligkeit von hellen und dunklen Stellen in einem Bild. Mit dem richtigen Kontrast lenkst du das Auge des Betrachters, vermittelst die Atmosphäre und Botschaft und setzt Akzente.

Das Spiel mit dem Kontrast ist für jedes Fotogenre wichtig: Sowohl für eine Porträt- als auch Stadtaufnahme, sowohl in einer schlichten Architektur- als auch in einer beeindruckenden Natur- oder Landschaftsaufnahme. Aber für Schwarz-Weiß ist der Kontrast das Wesentlichste an diesem Genre.

Übung: Suche nach Objekten, bei denen Kontraste dir förmlich ins Auge springen.

Konzentriere dich für den Anfang auf einfache Sachen wie zum Beispiel:

  • dunkle Statue gegen einen hellen Himmel,
  • ein helles Plakat gegen eine dunkle Wand,
  • ein Modell gegen einen dunklen Hintergrund,
  • helle Schrift auf dunklem Hintergrund oder auch andersherum.

Achte bei dieser Übung nur auf die Gegensätze zwischen hell und dunkel, also die ganz starken Kontraste.

DSC_0388-32. Licht und Schatten

Dieses gestalterische Mittel ist dem des Kontrasts sehr ähnlich. Es geht um die Verteilung von hellen und dunklen Tönen im Bild. Licht und Schatten finden oft in der Streetfotografie Anwendung oder bei Abend- und Nachtaufnahmen, wo dann kleine Spots durch eine Lampe Akzente setzen und das Wesentliche hervorheben. Besonders toll ist dieser Effekt auch an bewölkten Tagen, wenn die Sonne durch die Wolken bricht. Ein weiteres klassisches Motiv sind z.B. Wüstenbilder, in denen sich der Sand auftürmt und andere Bereiche im Schatten liegen. Das ergibt eine tolle Dynamik. Es gibt unzählige Beispiele für Schwarz-Weiß in Kombination mit Licht und Schatten.

Übung: Suche dir Motive mit Licht und Schatten

  • Wenn das Wetter mitspielt und es wolkenverhangen ist, geh in die Natur raus oder auf eine erhöhte Stelle, wie zum Beispiel ein Hochhaus, wo nichts deinen Blick auf die Wolken und die Umgebung behindert. Beobachte das Wolkentreiben und mit etwas Glück und Geduld wird die Sonne durch die Wolken brechen. Das ist ein tolles Motiv für Licht- und Schattenspiele.
  • Fotografiere bei Nacht und suche interessante Motive, die durch einen Lichtstrahl betont oder hervorgehoben werden. Konzentriere dich auf das belichtete Objekt. So entstehen geheimnisvolle Bilder und du gibst dem Betrachter ein Rätsel auf, was im Schatten der Nacht verborgen geblieben ist.
  • Arkaden, Pfeiler oder Silhouetten von Bäumen, Menschen, Autos, Häusern und Hochhäusern sorgen für tolle Licht- und Schattenmuster. Halte die Augen offen.
  • Suche dir Motive mit Gegenlicht.
Wörthsee

Wörthsee

3. Minimalismus – Einfachheit und Nichts

Weniger (Textur, Gestalt, Linien, Ablenkung, etc.) ist mehr. Entferne aus deinem Bildausschnitt alles Überflüssige. Das Nichts einzufangen bedeutet, dass hinter, vor, über, unter oder neben deinem Hauptmotiv oder Objekt nichts ist, was den Betrachter ablenken könnte. Dieses gestalterische Mittel wird zum Beispiel sehr gerne bei

  • Stillleben,
  • Architektur,
  • Autos,
  • Makro,
  • Porträt, aber auch
  • Natur- und Landschaftsfotos

verwendet. Das Regenschirmfoto von Pedro Díaz Molins auf seiner Website zeigt Minimalismus pur.

Übung: Suche nach freistehenden Objekten, die von Nichts umgeben sind.

Das ist vielleicht gar keine einfache Aufgabe, denn wo findet man heute noch ein Nichts. Spiele mit dem Bildausschnitt, gehe näher heran oder weiter weg, zoome rein. Positioniere deine Objekte so, dass nichts oder nur ganz wenig drum herum ist und der Betrachter sofort auf dein Hauptmotiv blickt, sich darauf konzentriert und durch keine anderen Objekte abgelenkt wird.

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4. Gestalt und Formen

Symmetrien, Rahmen, Quadrate, Aneinanderreihungen und Wiederholungen. Achte auch hier auf eine minimalistische Komposition und Kontraste oder setze Licht und Schatten gut ein; dann kommen die Gestalten und Formen ganz groß raus. Dieses gestalterische Mittel wird gerne in der Architekturfotografie verwendet.

Übung: Suche Symmetrien, Vierecke, Formen, Quadrate, Rahmen, Aneinanderreihungen und Wiederholungen.

Beispiele:

  • Wendeltreppen
  • Moderne Architektur
  • Fensterrahmen
  • Installationen
  • Kunstobjekte

Nimm nicht zu viel in dein Bild auf. Auch hier gilt: Weniger ist mehr. Und desweiteren: Habe immer den Kontrast oder Licht und Schatten im Blickfeld.

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5. Linien

Linien haben nicht nur in der Schwarz-Weiß-Fotografie eine große Bedeutung; auch bei der Gestaltung deines Farbfotos solltest du auf Linien achten. Es gibt horizontale, vertikale, diagonale oder kurvige Linien. Linien können eine Trennung zwischen dunkel oder hell darstellen, dem Bild ein klares Muster geben, den Blick des Betrachters lenken.

Übung: Suche Linien, Linien und nochmal Linien.

Das kann alles Mögliche sein, angefangen von Flüssen fotografiert von oben, Brücken, Pfeilern, Stegen, Hochhäusern, Straßen, Zäunen, der Horizont, etc. Achte darauf, dass die Linien den Blick auf dein Motiv lenken und hinführen.

Blick von der Donnersbergerbrücke Richtung Münchner Hauptbahnhof

Blick von der Donnersbergerbrücke Richtung Münchner Hauptbahnhof

Fazit

Die Gestaltung eines Schwarz-Weiß-Fotos ist kein Hexenwerk. Viele bildgestalterische Mittel, die du für ein Farbfoto anwendest, kommen bei Schwarz-Weiß auch zum Einsatz, wie zum Beispiel die Drittelregel. Worauf du jedoch ein besonderes Augenmerk richten solltest, ist die Verteilung von hellen und dunklen Tönen, also dem Kontrast. Davon lebt ein gutes Schwarz-Weiß-Foto.

Nimm dir eine Woche Zeit und suche jeden Tag Motive aus einer anderen der fünf Kategorien. So wirst du am Ende der Woche fünf verschiedene Bilder haben. Ich würde mich freuen, wenn du mir einen Link zu deiner Onlinegalerie zukommen lässt oder mir sagst, wo ich die Bilder sehen kann. Einfach in die Kommentare posten.

Und nächste Woche geht es dann an die Bearbeitung deiner Fundstücke und Schätze.

Hier noch mal alle Teile im Überblick:

5 Gedanken zu „Ein Schwarz-Weiß-Foto gestalten

  1. super idee! ich hab mir auch ein bisschen gedanken zu dem thema gemacht (hab ich ja schon anklingen lassen). mein beitrag dazu kommt am mittwoch. einige elemente davon sind bei mir acuh angesprochen 🙂

  2. Ein toller Beitrag Aleksandra. Mit ganz großartigen Bildern. Wie aus einem Lehrbuch!! Mein Favorit ist die Blume 😉 Schön wie Du Dich mit dem Thema beschäftigst… Und ich hab ganz fest vor mitzumachen… Beitrag kommt hoffentlich zeitnah 😉

  3. Pingback: Sammlung der Blogbeiträge zu der August in Schwarz-Weiß und mein Fazit | Aleksandras Fotoblog

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