Sonne und Wolken, Ruhe und Action

Der Juni war bei mir der Monat der Photowalks. Zuerst lernte ich mit vier anderen Teilnehmerinnen, wie man Blümchen ins rechte Licht rückt und ich habe darüber geschrieben, warum auch du unbedingt an einem Photowalk teilnehmen solltest. Und falls du immer noch Bedenken hast, ob ein Photowalk auch was für dich wäre, ob du da individuell fotografieren kannst, ob das nicht stressig ist (und was für Zweifel du sonst noch haben magst), kommt heute mein zweiter Erfahrungsbericht zum Fotografieren und Spazieren. Es war auf jeden Fall ein Photowalk der Kontraste: Es gab Sonnenschein, Wolken und Regen sowie ruhige und schnelle Motive.

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Die Sonne im Kofferraum

Am 20.06.2015 bekam ich also Besuch von Markus. Markus war so nett und hat sich für mein erstes Interview zur Verfügung gestellt. Während des Hin- und Hermailens kam die Frage auf, ob wir uns nicht treffen wollen, um gemeinsam zu fotografieren. Meinem positiven Bauchgefühl folgend sagte ich diesem Vorhaben spontan zu.

Es sah die ganze Woche über so aus, als würde der Photowalk ins Wasser fallen. Es war kalt und regnerisch und auch am Tag unseres Spaziergangs war eine Regenwahrscheinlichkeit von 85% vorausgesagt, und zwar genau in der Zeit, wo wir unterwegs sein wollten. Aber absagen kam nicht infrage – gut, dass wir uns vom Wetterbericht nicht haben beeinflussen lassen. Punkt 11:30 Uhr, als Markus in meiner Straße parkte, hörte es auf zu regnen. Entweder hat Petrus ein Herz für Fotografen oder Markus hatte ganz viel Sonne im Kofferraum dabei. Das schöne aber war, das überall solche Motive darauf warteten, fotografiert zu werden:

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Zu zweit und doch jeder für sich

Wir haben unseren Walk bis ins letzte Detail geplant – naja, nicht wirklich. Markus hatte den Wunsch geäußert, mal den Englischen Garten sehen zu wollen. Da ich mich mit einer Route durch diesen Park gut auskannte, war zumindest dieser Punkt gleich abgehakt. Außerdem sammelten wir ein paar vage Stichpunkte, was wir fotografieren wollten: Architektur, Linien, Wischtechnik und Farben.

Und was ist aus unserem Fotothemen-Brainstorming geworden? Markus hat sich auf Architektur, Linien, Licht und Schatten konzentriert. Seine Fotos kannst du dir hier anschauen: Fotowalk dahoam. Ich habe dafür die Makrofotografie für mich entdeckt. Während des Fotografierens verlor ich ihn teilweise komplett aus den Augen. Jeder machte sein Ding und es kamen sehr individuelle Fotos dabei heraus.

Eisbachsurfer

Ein weiteres Highlight auf unserem Spaziergang waren die Surfer vom Eisbach. Das ist ein Spektakel, das du unbedingt sehen solltest, wenn du mal in München Zeit verbringst – und wenn du ein Münchner Kindl bist, dann erst recht. Es macht Freude und versetzt dich in Ehrfurcht (wenn du selbst nicht surfen kannst), den Jungs und Mädels bei ihren Moves, ihrer Balance auf dem Surfbrett und bei dem anmutigen Hin- und Hertanzen auf den Wellen zuzuschauen. Ehe man sichs versieht, hat man 251 Fotos gemacht und eine halbe Stunde mit offenem Mund beobachtet, wie sie sich in die Wellen des Eisbachs werfen und surfen.

Regenpause genutzt und eine neue Freundschaft geknüpft

Plötzlich fing es doch wieder an zu regnen – nun hatte sich die hohe Regenwahrscheinlichkeit für den Nachmittag bewahrheitet. Das machte uns nichts aus, denn wir setzten uns in die Goldene Bar, um wieder trocken zu werden und das Ende des Regens abzuwarten. Markus und ich haben uns ja von Anfang an gut verstanden, aber in dieser Zeit hatten wir noch mal ausgiebig Gelegenheit, uns über das Bloggen und die Fotografie auszutauschen, und über sehr persönliche Themen zu reden. Lieber Markus, es war schön, sich so offen mit dir austauschen zu können.

Photowanderung

Den letzten Teil unseres Photowalks verbrachten wir tatsächlich mehr spazierend als fotografierend. Wir kamen am Monopteros vorbei, gingen weiter zum Chinesischen Turm, Kleinhesseloher See und zur Münchner Freiheit; von dort aus nahmen wir dann wieder U-Bahn und S-Bahn zurück zu mir. Wir waren schon ziemlich platt und fertig, immerhin haben wir es auf ungefähr 8 Stunden Spaziergang – oder doch besser Wanderung? – geschafft. Bei mir angekommen tauschten wir noch die Fotos aus, die auf drei verschiedenen SD-Karten aufgezeichnet waren, und dann ging es für Markus nach Hause.

9 Jahre vs. 1 Jahr

Markus meinte zu mir, er wäre nie auf die Idee gekommen, eine Blume von der Seite zu fotografieren.

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Ich war erstaunt, was er für Linien, Strukturen und Symmetrien erkennt und wie er aus alltäglichen Motiven etwas Wunderbares herausholt. Wir haben also beide was von dem Tag mitnehmen können, auch wenn er schon neun Jahre fotografiert und ich erst seit einem Jahr.

Was ich an dem Tag noch gelernt habe

  • Ich liebe die Makrofotografie! Makrobilder faszinierten mich schon immer, aber bisher hatte ich nicht die Gelegenheit, mit einem richtigen Makroobjektiv zu fotografieren. Ein Makroobjektiv steht nun ganz weit oben auf meiner Anschaffungsliste.
  • Markus hatte zwei Kameras dabei und ich habe das erste Mal mit einer DSLR fotografiert. Meine Kamera wanderte zwar die ganze Zeit wohlbehütet in seinem Fotorucksack mit, aber außer ein paar Fotos, die er zum Ausprobieren machte, kam sie nicht groß zum Einsatz. Seine DSLR funktioniert ganz anders als meine Systemkamera. Nicht nur, dass sie tatsächlich schwerer ist und man den Spiegel beim Auslösen spürt und hört. Endlich verstehe ich den Unterschied zwischen einem elektronischen (meine Kamera) und einem optischen Sucher (Markus Kamera) und wie toll doch meine Live View ist. Ich musste mich erst mal an diese Art des Fotografierens gewöhnen: Bild machen, auf dem Display nachschauen, Einstellungen korrigieren, Bild machen, kontrollieren, Einstellungen wieder ändern, bis es passt. So sind zu Beginn und auch immer wieder zwischendurch ein paar sehr überbelichtete oder unterbelichtete Fotos entstanden, ohne dass ich es merkte.

Im Prinzip ist es doch immer ein Photowalk, wenn man raus geht, um zu fotografieren, oder? Warum verabredest du dich das nächste Mal nicht mit einer/m Freund/in zu einem Spaziergang und ihr schaut gemeinsam, was passiert, was ihr voneinander lernen könnt, wo ihr einander ergänzt oder welche Motive die/der andere entdeckt? Oder tauscht eure Kameras und probiert ein anderes Objektiv aus. Stellt euch euren eigenen und ganz individuellen Photowalk zusammen.

5 Gedanken zu „Sonne und Wolken, Ruhe und Action

  1. Wow, ich bin begeistert. Deine Makros sind sooo genial! Schade das Du erst jetzt darauf gekommen bist!! Ich liebe das von der Seite 😉 und die auf denen man ins Innenleben eintauchen kann. Ich bin stolz auf uns und unseren Fotowalk. Ich finde wir haben das richtig gut hinbekommen!!! Und Du verdeutlichst einfach wie unterschiedlich Menschen bzw. Fotografen doch sehen. Die Bedingungen war genau gleich, die Ergebnisse so komplett anders. Und diese Vielfalt ist wichtig und macht uns irgendwie ja auch einzigartig… Danke (das kann ich nicht oft genug sagen) 😉

    • Markus, danke, für deine lieben Worte 🙂 Und danke, dass du die Idee mit dem Walk hattest und auch hergekommen bist 🙂 Mal gucken, wann ich mir auch ein Makroobjektiv zulege. Das macht richtig Spaß. Da eröffnet sich einem eine ganz andere Welt.

  2. Pingback: Sommerloch? Ich nicht… Liebster Award & Wahleinladung |

  3. Photowalks sind was feines. Mit der Praxis und dem lockeren Umgang lernt man einfach am besten und der Spassfaktor ist auch immens hoch.
    Einen schöner Artikel, klasse Bilder und Eindrücke hast Du da zusammen gestellt.
    VG Jan

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