Im Gespräch mit Andreas Kanzleiter

Vor ein paar Monaten gab es zwei Interviews; das eine mit Markus, einem Blogger, mit dem ich mich auch schon im wahren Leben mal getroffen habe und mit ihm auf Entdeckungsreise durch München gegangen bin. Beim zweiten Interview hat sich Claudia den Fragen gestellt; sie hat ebenfalls eine eigene Website und einen kleineren Blog, den sie Glücksmomente nennt und auf dem sie ihre Gedanken mitteilt. Beide fanden das Interview toll und sie wünschten sich, dass die Serie weitergeht. Lange hat es gedauert, aber nun kann ich wieder einen Hobbyfotografen vorstellen, der mit sehr viel Erfahrung auftrumpfen kann. Er hat sehr lange analog fotografiert, kann uns erzählen, wie er seine Fotos selbst entwickelt hat und kennt die Vor- und Nachteile von analog und digital.

Er hat keine eigene Website, aber er ist sehr aktiv in der Fotocommunity Flickr. Das ist eine der beliebtesten Plattformen und Andreas erzählt, wie er sie nutzt.

Er ist einer meiner Leser und hat sich netterweise auf meinen Aufruf gemeldet, mir doch mal Rückmeldung zum Blog zu geben. Als ich ihn fragte, ob er Lust hat, mir ein paar Fragen zu beantworten, hat er sich spontan sofort bereit erklärt.

Andreas, du fotografierst schon sehr lange – im Vergleich zu mir kommst du bereits auf rund 35 Jahre, hast in den 80er Jahren angefangen. Das finde ich sehr spannend und beeindruckend. Ich hoffe, dass ich es auch schaffe, so lange an einem Hobby dran zu bleiben. Deine Fotos lassen eine Experimentierfreudigkeit und Leichtigkeit im Umgang mit dem Medium Fotografie erkennen – du tauchst in verschiedene Genres ein und zeigst uns mit deinen 300 Fotos deine besten Ergebnisse aus Stillleben, Selbstportraits, Street, Natur, Portrait und Architektur auf deinem Flickr-Profil. Auch die kleinen Dinge machst du mit deinen Makrofotos für uns sichtbar.

Erzähl doch bitte in ein paar Sätzen etwas über dich und deinen Bezug zur Fotografie.

Mit zehn, zwölf Jahren habe ich meine erste Kamera bekommen, das war eine Agfamatic Sensor 200.

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„Agfamatic 200 sensor plus hardcase 2“ von Uberprutser – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Agfamatic_200_sensor_plus_hardcase_2.jpg#/media/File:Agfamatic_200_sensor_plus_hardcase_2.jpg

So etwas als Kamera zu bezeichnen und die sich daraus ergebenden Abbilder als Fotos ist etwas übertrieben, aber es hat vielleicht meine Leidenschaft geweckt. 1980 bin ich dann zu einer ersten „vernünftigen“ Kamera umgestiegen, eine Agfa Silette. Die war damals auch schon ca. 25 Jahre alt, einen Belichtungsmesser hatte die auch nicht, aber man konnte die Blende und die Verschlusszeit einstellen und ich lernte, mit einem externen Belichtungsmesser umzugehen. Von daher hatte ich nie Probleme gehabt, die Beziehung von Blende, Verschlusszeit und Filmempfindlichkeit zu verstehen. Da aber die ganze Mechanik etwas verharzt war, waren doch einige Bilder überbelichtet. Hinzu kam dann auch noch das Entwickeln der Negative und Vergrößern von Schwarz-Weiß-Fotos in der Dunkelkammer. So konnte ich damit wieder einiges retten.

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„Agfa silette“ von Sven Storbeck – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Agfa_silette.jpg#/media/File:Agfa_silette.jpg

1981 kam dann die erste Spiegelreflex von Minolta und Anfang der 90er Jahre stieg ich auf Nikon um und bin seit 2006 mit einer digitalen Spiegelreflex unterwegs. Ich fotografiere fast nur noch mit meiner Nikon D7100, ab und an nehme ich auch noch mal die digitale Kompaktkamera aus der Tasche.

Hast du noch ein Foto aus deiner Anfangszeit?

© Andreas Kanzleiter

© Andreas Kanzleiter

Diese Aufnahme habe ich vermutlich zwischen 1982 und 1984 analog auf Schwarz-Weiß-Film gemacht und selbst in der Dunkelkammer vergrößert. Das hat damals einen Heidenspaß gemacht. Beim Vergrößern war ich aber bei der Belichtung etwas sehr zurückhaltend gewesen (Hüstel), so dass ich dieses nur mit einem deutlich verlängerten Bad im Entwicklerbecken kompensieren konnte. Dies führte dann zu dem doch sehr kräftigen Korn und die leicht antike Anmutung. Ich habe das Bild bewusst nicht nochmal nachbearbeitet, heute würde ich so eine Aufnahme mehr zentriert aufnehmen.

Betreibst du die Fotografie als Beruf, Nebenberuf oder als reines Hobby?

Mein Geld möchte ich nicht mit der Fotografie verdienen müssen, ich fotografiere ausschließlich aus Spaß an der Freude.

Wie hat sich für dich die Fotografie, seit du angefangen hast, verändert?

Im Grunde genommen hat sich für mich gar nichts und doch alles verändert (lacht). Das Schöne beim analogen Fotografieren war, dass man erst nach dem Entwickeln wusste, ob das Bild was geworden ist. Da auch Filme (zumindest für meine damaligen finanziellen Verhältnisse) recht teuer waren, habe ich mir zwei Mal überlegt, wie ich etwas fotografiere. Die Ausbeute war einfach – im Verhältnis zu den geschossenen Fotos – viel größer.

Allerdings bin ich nie zu einer Dunkelkammer für Farbfilme gekommen und Retuschieren (mit Ausnahme von Abwedeln oder Nachbelichten) war auch nie mein Ding. Da bietet die digitale Fotografie doch deutlich mehr Gestaltungsspielräume, die ich auch häufig nutze, und wenn es auch nur eine kleine Anpassung der Belichtung oder des Beschnittes ist.

Hast du ein fotografisches Vorbild?

Nein, es gibt Fotos die mir gefallen, aber keinen Fotografen oder Fotografin, denen ich nacheifern will oder die für mich als Vorbild dienen.

Du fotografierst gerne Zäune. Was fasziniert dich an diesem Motiv?

Zu den Zäunen bin ich zufällig gekommen, bei Flickr gibt es die Gruppe Happy Fence Friday. Und so kam ich auf die Idee, doch mal Zäune zu fotografieren. Letztendlich fasziniert mich aber nun daran, dass man ein und dasselbe Thema unterschiedlich darstellen kann. Sei es der Blickwinkel, das Licht, die Farbgebung, das Objektiv oder das Objekt. Es hätte auch theoretisch das Thema „Stuhl“, „Schlüssel“ oder „Telefone“ sein können – wobei mir bei dieser Aufstellung dann doch das Thema „Zäune“ am sympathischsten ist.

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Zaun um ein Grabmal. Ich habe mich immer gefragt, für was die Zäune um die Friedhöfe eigentlich gut sind. Die, die draußen sind, wollen doch nicht rein, und die, die drinnen sind, können nicht mehr raus. © Andreas Kanzleiter

Du bist ausschließlich auf Flickr unterwegs. Als ich vor einem Jahr angefangen habe, habe ich mich auch auf diversen Fotocommunitys angemeldet, jedoch bin ich dort ziemlich inaktiv, seit ich meinen Blog habe. Was gefällt dir an Flickr besonders gut? Hast du auch andere Fotocommunitys ausprobiert?

Ursprünglich war ich auf Galerie.chip.de aktiv, aber die Seite ging dann langsam den Bach runter und ist seit dem 1. April 2015 nicht mehr online. Ich habe auch einige andere Seiten probiert, Fotocommunity.de, zum Beispiel, aber die finde ich vom Handling etwas unpraktisch. Bis ich ein Foto hochgeladen habe, ist eine gefühlte Ewigkeit herum, da ich dort nur dann ein Foto posten kann, wenn ich ganz genau durch einen ellenlangen Katalog an Kategorien durchgehe. Das hat mir dann keinen Spaß gemacht.
Bei Flickr kann ich die Bilder recht einfach mittels Lightroom hochladen. Das finde ich recht komfortabel. Außerdem habe ich dort doch eine gewisse Resonanz erhalten. So bin ich de facto dort hängen geblieben und stelle nur noch dort meine Bilder ein.

Du hast auf Flickr ein Bild gepostet und es als „Time to make a break“ betitelt. Darunter erklärst du, dass du eine Pause einlegen willst und dass dich deine Fotos derzeit nicht mehr begeistern. Was ist der Grund und hat sich schon was an diesem Zustand geändert? 

Time-to-make-a-break

In den fünfziger Jahren (und auch noch später) fuhren in den ländlichen Gebieten – nein, nicht die Postkutsche – der Postbus. Die Haltestelle, ein Ort wo man sich traf, wo man innehielt (man hatte sonst ja vielleicht nichts zu tun) und ein Ort zum Aufbruch. © Andreas Kanzleiter

Ich habe irgendwann mal angefangen jeden Tag ein Foto zu posten. Anfänglich kamen mir da auch neue Ideen. Doch irgendwann habe ich gemerkt, dass ich fast schon einen Zwang verspürt habe, nun dieses eine Foto abzuliefern. Es war dann nur noch eine Produktion von Bildern und keine thematische Arbeit.
Ich habe derzeit die Idee für zwei bis drei Themen – neben den Zäunen – und ich habe die Pause genutzt, um ein bisschen im Bereich der Portraitfotografie herumzuspielen. Da mir aber die Freigabe meiner „Opfer“ nicht vorliegt, werde ich diese Bilder nicht veröffentlichen.

Ich bin schon gespannt, auf die zwei, drei Themen, die noch in dir schlummern und freue mich auf weitere Bilder von dir. Vielen Dank, dass du dich bereit erklärt hast, meine Fragen zu beantworten.

Wenn du deinen Fotoblog vorstellen möchtest, einen Account auf einer Fotocommunity hast, und Lust hast, mir ein paar Fragen zu beantworten, dann melde dich doch bei mir.

5 Gedanken zu „Im Gespräch mit Andreas Kanzleiter

  1. Hallo Aleksandra!
    Ganz toll, dass Du die Serie „Im Gespräch“ weiter führst. In jedem Gespräch ist was Interessantes dabei. Was Neues, ein anderer Ansatz oder auch eine Bestätigung. Danke!

  2. Pingback: Ich stand mit Rolf Zuckowski auf der Bühne | Aleksandras Fotoblog

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