Im Gespräch mit Markus von kuhnograph-photography

Heute gibt es eine Premiere für mich und diesen Blog. Ich bin nicht ganz so aufgeregt wie vor drei Monaten, als ich das erste Mal auf den Veröffentlichen-Button geklickt habe. Aber ich freue mich. Denn die Vorbereitung zu diesem Beitrag hat richtig Spaß gemacht. Nun veröffentliche ich nach einem Quartal Bloggen das erste Interview.

Ich möchte Personen, die meine Beiträge lesen und kommentieren auch kennenlernen. Und schnell war die Idee geboren, doch auch mal ein Interview zu machen. Einer meiner aktivsten Leser ist Markus; unter vielen Beiträgen findet sich ein Kommentar von ihm. Heute stellt er sich und seinen Blog kuhnograph-photography vor.

Das Wort kuhnograph setzt sich aus seinem Nachnamen Kuhn und Photograph zusammen. Sein Blog war eines Tages in meinem WordPress-Feed unter „Freshly Pressed“ oder „Recommended Blogs“ gelistet und es war eine gute Empfehlung. Ich mag die Art, wie er fotografiert und seine Bilder bearbeitet. Seine farbigen Fotos habe ich deswegen auch als Beispiel für einen meiner Beiträge verlinkt. Vielleicht hast du auch auf meiner Facebookseite gesehen, dass ich ihn und sein 365-Tage-Projekt (bei dem er auch mal einen Gewinn verteilt, wenn du bei der Abstimmung seiner Fotos mitmachst) erwähnt habe; aber auch neben diesem Projekt gibt es auf seinem Blog einiges zu entdecken: wunderschöne Familienportraits, Naturfotografien und kreativ umgesetzte Fotos mit Farbe, Bewegung und Dynamik.

Ich wollte mehr über den Menschen hinter der Kamera erfahren, was er tut, wie er lebt und was ihn antreibt. So fragte ich ihn vor ein paar Wochen, ob er bei einer Interviewserie mitmachen möchte und er hat sofort zugesagt. Ich schickte ihm meine Fragen zu und er hat sie auf sehr sympatische und ehrliche Art und Weise beantwortet. Viel Spaß beim Lesen!

Hallo Markus, kannst du in ein paar Sätzen beschreiben, wer du bist, wo du lebst, was du machst und was du magst?

Ich heiße Markus und bin Mitte 30, verheiratet und Vater von zwei kleinen Kindern. Ich lebe in einem kleinen Örtchen irgendwo zwischen Ulm und Stuttgart. Ich betreibe seit ca. einem halben Jahr einen Fotoblog und fotografiere bewusst seit ca. acht Jahren. Meine zweite große Leidenschaft gilt der Musik (nicht Musik machen, sondern Musik hören ;-)). Mein liebster Künstler ist Ben Howard, seine Musik inspiriert mich. Außerdem bin ich bekennender Film- und Serienjunkie.

Ben Howard also. Daher auch die Umsetzung deines Shootings mit Clara unter dem Motto „I forget where we were“ (Achtung: Dieses Lied ist ein ganz schlimmer Ohrwurm). Und welche Serien schaust du gerne?

Oh, das sprengt den Rahmen: Dr. House, Emergency Room, Scrubs, Game of Thrones, Chuck, Boston Legal, Modern Family, New Girl, OC California (ja, das dürfen auch Männer gucken), Prison Break, Departures, Descending usw. Ich hab jetzt mal ein bisschen eingeschränkt. 😉

Da sind auf jeden Fall einige dabei, die ich auch gerne schaue. Aber zurück zur Fotografie. Wie lange fotografierst du schon, wie bist du zur Fotografie gekommen und was war deine erste Kamera?

Angefangen hab ich 2006 während meines Irland-Urlaubs. Damals mit einer digitalen Canon powershot. 2007 kam dann die erste Spiegelreflex von Nikon (D70) später dann die D90 und mittlerweile die D7000. Meine liebsten Objektive sind Festbrennweiten (aktuell das Sigma 30mm/1:1.4).

Gibt es in deinen Bildern sich wiederholende Themen oder Motive?

Auf jeden Fall. Das ist aber abhängig von meiner aktuellen Lebensphase bzw. Stimmung. Ich liebe es Menschen zu fotografieren. Wenn ich genug Models hätte, würde ich wahrscheinlich nichts anderes fotografieren. Und das wiederholt sich in meinen Bildern. Allerdings gab / gibt es auch eine Phase, in der die Natur das Motiv Nummer 1 war / ist.

© Markus Kuhn

Welche Rolle spielt die Bildbearbeitung in deinen Bildern? Bearbeitest du viel oder wenig? Welche Bildbearbeitungsprogramme benutzt du?

Eine entscheidende aber keine dominante Rolle. Ich nutze Presets für Lightroom, die ich für mich und meine Zwecke angepasst und optimiert habe. Ich bin absolut kein Fan von HDR-Bearbeitung und krassen Veränderungen. Außerdem retuschiere ich so gut wie gar nichts an meinen Bildern. Im Schnitt brauche ich pro Bild ca. fünf bis sieben Minuten zur Bearbeitung.

Welche Fotografen haben dich inspiriert?

Anfangs einige Fotografen, die ich über fotocommunity.de „kennengelernt“ habe (Anja Reichelt, Alexandra Sundermann…), später dann der Stilpirat Steffen Böttcher, heute Normen Gadiel und viele, viele mehr…

Welche Fotografieblogs liest du gerne und warum?

Auf jeden Fall Paleicas Blog, schon allein wegen der tollen Bilder und Projekte. Dann muss ich auch extra Svenjas Blog One hundred Papercranes erwähnen. Bilder die mich auf jeden Fall inspirieren. Aber auch da gibt es noch so viele mehr und ich müsste eigentlich beinahe meine komplette „Folge-ich“ Auflistung hier veröffentlichen.

Das kenne ich gut. Es gibt einfach zu viele interessante und inspirierende Fotografen und auch Fotografieblogs da draußen, die man nicht alle auflisten kann. Und kannst du uns aus den tausenden von Fotos, die du sicherlich schon gemacht hast, ein Lieblingsfoto von dir zeigen? Was ist die Geschichte dahinter?

© Markus Kuhn

Das war in Tübingen. Ein Shooting mit Anja. Es war der Tag des großen Hagelsturms. Wir waren in irgendeinem Unigebäude und versuchten zu improvisieren. Es war schreckliches Wetter draußen und somit auch katastrophale Lichtbedingungen. Dieses Foto entstand dann während ich eigentlich die Einstellungen meiner Kamera testete und zu Anja sagte, sie muss sich leider noch ein wenig gedulden. Das Foto ist also 100% ungestellt. Es zeigt einfach Anja beim geduldigen Abwarten… Genau deshalb mag ich es, es ist echt und ungestellt…

Das Foto gefällt mir unglaublich gut! Ein schöner Moment. Eines meiner Lieblingszitate in der Fotografie ist „Ich gebe dem Moment Dauer“ von Manuel Álvarez Bravo. Nur Anja weiß, was sie in dem Moment gedacht oder gesehen hat. Aber du hast dem Moment Dauer gegeben.

Auf deinem Blog kann man auch nachlesen, dass du zurzeit eine Ausstellung hast: Impressionen Strand & Meer. Erzähl uns etwas über deine Ausstellung: Wo läuft sie, wie lange geht sie noch was ist das besondere an deiner Ausstellung?

Es sind 12 ausgewählte Bilder auf Leinwand von unserem Familienurlaub über Silvester 2014/2015 auf der Insel Ameland (Niederlande). Die Ausstellung findet im Gemeindehaus der Evangelisch-methodistischen Kirche in Kirchheim/Teck statt. Sie läuft seit dem 14.03. auf unbestimmte Zeit. Ich denke aber, dass ich Ende April einen Schlussstrich ziehen werde.

Auslöser, Motivator und treibende Kraft war hier die wunderbare Katja, die mir entscheidend half, diesen Schritt zu wagen. Katja kenne ich jetzt seit einem Jahr und sie spielte eine tragende Rolle, was die Entstehung der Ausstellung anging. Sie hat mich im Endeffekt davon überzeugt, die Sache anzugehen. „Schuld“ daran waren ihre Begeisterung und ihre Freude an der Sache. Das hat mich angesteckt…

© Markus Kuhn

Die Bilder stehen zum Verkauf und der Erlös geht in vollem Umfang in die Gemeindearbeit dort. Die Leinwände hab ich zu einem Sonderpreis von 20 Euro pro Stück bestellt. Bei 12 Bildern waren das dann 240 Euro. Die hab ich aus meiner Tasche bezahlt. Allerdings war es auch hier wieder Katja, die mir die Sorge genommen hat, dass ich hier ein Verlustgeschäft mache. Geld verdienen will ich ja nicht, ich hoffe nur, dass genug Bilder verkauft werden und es noch ein paar Euro für die Gemeinde gibt…

Toll, dass du den ganzen Erlös der Gemeinde spendest. Mein persönliches Lieblingsbild aus dieser Serie ist das Bild mit der Feder. Aber sie sind alle wunderschön und zeigen deinen unverkennbaren Stil. Was sollte man beachten, wenn man selbst eine Ausstellung planen und organisieren will?

Die Vorbereitung war schwer. Ich musste 12 Bilder finden, die sich auch verkaufen lassen. Also relativ neutrale Bilder, alle wenn möglich unter einem Thema (Strand & Meer). Dann wollte ich auch eine schöne Mischung haben, farbig und s/w, thematisch passend. Das war kompliziert und ich bin kurz an meine Grenzen gestoßen. Dank meiner Frau hab ich mich dann aber für 12 Bilder entscheiden können. Ich denke, der größte und schwerste Schritt ist das Vertrauen in die eigenen Bilder bzw. das eigene Können. Gut dass ich da Unterstützung in Form von Katjas motivierenden Worten bekam.

© Markus Kuhn

Die Ausstellung selbst ist relativ einfach gehalten. Allerdings bekam ich auch dort tolle Unterstützung von einer sehr guten Freundin. Als es nämlich an die Anordnung und Präsentation der Bilder ging, hab ich schnell gemerkt, dass darin nicht meine Stärke liegt. Danke Silke!

© Markus Kuhn

Danke, dass du uns Einblicke in diese ganze Organisationsstruktur gewährt hast. Du hast außerdem vor Kurzem deinen ersten Workshop mit deiner Freundin Ute geleitet. War bestimmt spannend und aufregend. Wie seid ihr bei der Planung des Workshops vorangegangen? Wie lange dauerte der Workshop?

Das war eine geniale Sache. Der Workshop fand am selben Tag wie die Ausstellungseröffnung statt. Ute und ich haben uns kurz vorher zusammengesetzt und ganz grob was entworfen. Zu dem Zeitpunkt wussten wir noch gar nicht, wie viele Teilnehmer sich eintragen. Das Wetter spielte dann mit, wir waren insgesamt 10 Leute und hatten eine wunderbare Location in der Natur. Und so nahm das ganze seinen Lauf. Es war für mich unfassbar inspirierend, all die motivierten Teilnehmer zu sehen. Eine sehr intensive Erfahrung, bei der ich auch meine Erfahrungen und Tricks einbringen konnte. Das hat mich glücklich gemacht. Und aus diesem Workshop kam dann letztendlich auch die äußerst angenehme Zusammenarbeit mit Isi und Clara zustande. Allein deshalb hat sich der Workshop gelohnt. 😉

Wird es weitere Termine geben?

Eine Wiederholung des Workshops ist so gut wie garantiert. Es gab viele Menschen, die sich im Nachhinein bereits erkundigt haben, ob so was in der Art nochmal stattfindet. Also ich freu mich drauf!

Wo und wie wirst du einen neuen Termin bekanntgeben?

Ich hab damals Flyer entworfen und die wurden dann in der Gemeinde ausgelegt (150 Stück glaube ich). Zusätzlich hab ich noch ein paar privat verteilt und den Termin auf meinem Blog bekannt gegeben. Das Ganze war nie als riesige öffentliche Aktion geplant. Von daher haben wir auch auf weitere Werbung (Facebook, mehr Flyer, Email-Aktionen usw.) verzichtet. Der Rahmen in dem Gemeindehaus ist auch eher ein kleiner, von daher passte das schon. Wenn ich das nochmal aufziehen würde, dann im größeren Stil und dann würde ich in der Hinsicht deutlich mehr Aktionen starten.

Momentan gibt es vereinzelt Interessenten bezüglich eines weiteren Workshops. Die Planung dazu ist aber noch gar nicht fortgeschritten. Ich könnte mir aber sehr gut vorstellen, im Sommer nochmal was zu machen. Allerdings ganz eigenständig und vielleicht sogar in einem größeren Rahmen und mit einem anderen Thema. Mal schauen, wie sich das entwickelt. Und falls sich was tut, dann gibt es auch eine größere Werbeaktion.

Falls sich was tut, halte ich meine Leser auch auf dem Laufenden, vielleicht wohnt jemand in der Nähe und hat Lust auf einen Workshop mit dir. Und nun zur letzten Frage: Was würdest du tun, wenn du dir ein Jahr freinehmen könntest ohne Geldsorgen und andere Verpflichtungen?

Definitiv die Welt bereisen. Und definitiv in den USA starten. Neuengland ist ein unerfüllter Traum. Und New York schreit nach einem weiteren Besuch! Von daher würde ich mindestens ein halbes Jahr quer von Osten nach Westen die USA bereisen. Die zweite Hälfte würde ich mit Sicherheit auch noch füllen können (Island, Irland, Schottland, Schweden…). Und natürlich würde ich alles fotografisch festhalten und am Ende dann versuchen, eine Art Dia-Show auf die Beine zu stellen…Ohne Geld und Zeit ist das aber leider auch weiterhin nur ein Traum.

Markus, ein riesen Dankeschön, dass du dir Zeit genommen hast, dich vorzustellen und alle meine Fragen zu beantworten.

Ich hoffe, das Interview war für euch genau so interessant wie für mich die Vorbereitung. Und wie anfangs erwähnt, ist es eine Interviewserie. Nächste Woche stelle ich eine weitere Fotografin vor, die auch gerne bei mir mitliest: Claudia aus der Schweiz.

7 Gedanken zu „Im Gespräch mit Markus von kuhnograph-photography

  1. Oh WOW, vielen Dank für den ganzen Aufwand. Ich bin ein bisschen gerührt und freue mich sehr über die Ehre! Ich kann nur bestätigen das allein die Vorbereitung sehr viel Spaß gemacht hat. Es war schön zu sehen wie viel Mühe Du Dir gemacht hast. Das findet man sehr selten und dafür bin ich wie gesagt sehr dankbar…
    Und das Ergebnis ist absolut gelungen und macht mich schon auch stolz 😉
    Bin gespannt auf Dein nächstes Interview!

    • Hallo Markus, freut mich, dass dir das Ergebnis des Hin- und Herschreibens gefällt – du hast dich ja überraschen lassen 🙂

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