Im Gespräch mit Finn von SagtMirNix.net

Nach meinem letzten Interview mit Andreas meldete sich Finn bei mir. Sein Blog heißt SagtMirNix und als ich mich das erste Mal dort umschaute, sprang mir sofort ein Wort ins Auge, das mir tatsächlich nichts sagte. Der Blogname passt also schon mal :-).

Finn ist gerade einmal 26 Jahre jung und hat sich auf Urban Exploration spezialisiert. Was das ist, wie er dazu kam und was ihn sonst noch bewegt und fasziniert, erfährst du in diesem Interview.

Hallo Finn!

Hallo Aleksandra! 🙂

Wie eingangs schon erwähnt, gab es auf deinem Blog ein Wort, das mir auffiel und mit dem ich nichts anfangen konnte: Urbex. Wie würdest du dieses Fotogenre beschreiben und wie bist du darauf gekommen? Was reizt dich an Urbex?

Oha, das wird direkt eine etwas längere Antwort. Ich mach’s so kurz wie möglich! Also das Wort Urbex ist quasi ein verkürztes Kofferwort aus „Urban“ (dt. städtisch) und „Exploration“ (dt. Erforschung). Urbexer treiben sich in verlassenen Gebäuden, Tunneln, Bunkern, Industriehallen, Krankenhäusern – eben allem was leer steht und verfällt – herum und die meisten fotografieren dort auch.

Freunde von mir und ich haben das schon vor weit über 10 Jahren gemacht, da quasi direkt vor meiner Haustür ein verlassenes Stahlwerk stand, das gab dann direkt auch einen ersten Kontakt mit der Polizei. Und naja… nachdem ich dann angefangen hatte zu fotografieren, hat das Ganze noch weitaus mehr Spaß gemacht und hier bin ich!

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Dieses Foto zeigt gut, wie wir beim „Urbexen“ unterwegs sind. © Finn Schäfer

Was ist denn der Unterschied zwischen einem Urbexer und jemandem, der Lost Places fotografiert?

Öhm, ich würde sagen Menschen die Lost Places fotografieren tun das aus was für Gründen auch immer, vielleicht einfach weil es Spaß macht, während Leute, die sich als Urbexer bezeichnen sich irgendwie der „Szene“ zugehörig fühlen. So würde ich es jedenfalls unterscheiden, wenn ich müsste. Einen genau definierten Unterschied gibt’s da aber eher nicht, denke ich.

Was sollte man als Neuling in der Urbex-Szene beachten?

Ach ja, wenn ihr jetzt auch Lust habt loszuziehen: Klar, macht das …nur fragt am besten nicht öffentlich in irgendwelchen Gruppen nach Adressen, da zicken viele Urbexer gern mal rum (ihr könntet ja schließlich böse Randalierer sein, die nur alles kaputt machen wollen!). Lieber per PN fragen.

Viele berufen sich da auf so eine Art Kodex:

  1. Es werden keine Adressen weitergegeben, damit die „Lost Places“ möglichst lange möglichst gut erhalten bleiben.
  2. Man hinterlässt nix als Fußspuren und nimmt nix als Bilder mit. An sich ja eine gute Sache, in der Realität jedoch oft seeehr pedantisch verfolgt.
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Ein unterirdischer Bunker den wir gefunden haben, der mittlerweile eher wie eine Trofsteinhöhle aussieht. © Finn Schäfer

Ich persönlich bin auch nicht wirklich Teil von dieser „Szene“ – auch wenn ich einige Leute daraus kenne. Im Gegesatz zu vielen Menschen aus der „Szene“ habe ich auch nichts gegen Graffitis usw., wenn nicht gerade ein altes Schloss oder so bemalt wurde. Ich mache sowas einfach mit Leuten aus meinem Freundeskreis, die sind da auch ziemlich interessiert.

Was fotografierst du neben Urbex noch ganz gerne und wieso?

Auch wenn auf meiner Website wenig davon zu sehen ist, fotografiere ich mit Abstand am liebsten Menschen. Das macht mir am meisten Spaß und ist – abgesehen von der Aktfotografie vielleicht – das anspruchsvollste, wie ich finde.

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© Finn Schäfer

Wie lange hast du deinen Blog schon und über welche Themen schreibst du neben Urbex?

Urban Exploration und Fotografie sind die beiden Themen, über die ich schreibe. Vielleicht erscheint hier und da auch mal ein Artikel zu anderen Themen, aber ich glaube bisher ist es noch nicht dazu gekommen.

Gestartet habe ich den Blog Anfang 2015 – eigentlich nur um meine Fotos zeigen zu können, da sie mir zu schade waren, um auf der Festplatte zu verrotten.

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Mein Lieblingsbild, weil ich allegemein extrem gerne Low Key-Bilder mache und wegen dem – zugegeben nicht ganz einfachen – Thema. © Finn Schäfer

Artikel zu schreiben kam dann mehr oder weniger automatisch dazu, da ich mittlerweile doch einiges übers Fotografieren weiß – glaube ich zumindest 😀 Das Problem war anfangs eher, dass ich mich nicht auf WordPress o.Ä. verlassen wollte und mir meinen Blog daher selbst programmiert habe – ohne große Kenntnisse im Programmieren oder Webdesign… Hat dann eine Weile gedauert, bis alles so lief, wie ich wollte.

Welche anderen Urbex-Websites kannst du empfehlen?

Also es gibt unzählige Facebook-Gruppen zu dem Thema (einfach mal „Urbex“, „Urban Exploration“ oder „Lost Places“ in der Suche eingeben). Natürlich wird man auch auf Twitter oder jedem anderen Social-Media-Anbieter fündig – vor allem auch auf 500px oder anderen Fotografen-Communities. Wirklich große normale Websites kenne ich zu dem Thema eigentlich kaum, das ist wohl mehr ein Social-Media-Ding. Fest steht jedenfalls, dass sich das Interesse der Leute an dem Thema in den letzten Jahren extrem gesteigert hat.

Wie lange fotografierst du schon und wie bist du zur Fotografie gekommen?

Mit dem Fotografieren angefangen habe ich nach der vorletzten Photokina-Messe, ich glaube das dürfte etwa 4 Jahre her sein. Jedenfalls habe ich mir danach die erste richtige Kamera zugelegt. Klar, vorher habe ich natürlich auch hier und da Fotos gemacht und mit Photoshop habe ich auch schon davor herumgespielt, aber irgendwann um 2011 dürfte es dann richtig losgegangen sein.

Erzähl noch etwas über dich, was deine Leser auf deiner Info-Seite nicht über dich erfahren können.

Ähm ja…. schwierig. Also ich komme aus dem Ruhrpott und mag es hier sehr, sehr gerne. Um den seriösen Anschein zu wahren (:D) studiere ich Psychologie und würde danach auch gerne etwas in Richtung Sozial- oder Suchtberatung machen, aber das steht noch in den Sternen. Neben dem Üblichen – Freunde, Party, viel Kulturkram, oft ins Grüne fahren – sind das Fotografieren und in alten Gebäuden oder Tunneln herumzukriechen wohl das, was mich am meisten beschäftigt. Und natürlich www.SagtMirNix.net.

Finn, vielen Dank für das Interview 🙂 Es hat mich sehr gefreut, wieder was ganz Neues kennenzulernen.

Wenn du deinen Fotoblog auch vorstellen möchtest, einen Account auf einer Fotocommunity hast und Lust hast, mir ein paar Fragen zu beantworten, dann melde dich doch bei mir.

4 Gedanken zu „Im Gespräch mit Finn von SagtMirNix.net

  1. Hey! Schön das Du wieder ein Interview online stellt. Ich mag diese virtuellen Gesprächsrunden 😉 Und dann hast du auch noch einen Blogger erwischt der richtig spannende Sachen zeigt. Da konnte ich nicht anders als ihm zu folgen. Schön wieder einen neuen Kontakt zur Bloggerwelt gefunden zu haben…. Danke dafür 😉

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