Im Gespräch mit Claudia von Zauber-Art.ch

Als ich vor ein paar Monaten diesen Blog gestartet habe, hätte ich es nicht für möglich gehalten, dass er eine solch verbindende Wirkung hat. Ich habe Leser aus Deutschland, Österreich, Luxemburg, Schweden, Großbritannien, den USA oder auch Australien, um nur ein paar Länder aufzuzählen. Und Claudia, die für meine Interviewserie heute Rede und Antwort steht, kommt aus der Schweiz und lebt im Emmental. Ich freue mich durch diesen Blog viele neue und interessante Personen und Fotografen kennengelernt zu haben und euch einige davon auch vorzustellen zu können.

Wenn ich mir Claudias Fotos auf ihrer Website Zauber-Art.ch anschaue, dann sehe ich darin etwas, das sich in mir widerspiegelt: ausprobieren, experimentieren, sich finden. Sie jongliert mit verschiedenen Fotogenres. Sie ist Streetfotografin mit einem Sinn für Humor. Naturfotografin mit einem Sinn für das Schöne, Zerbrechliche und Vergängliche. Tierfotografin mit einem Sinn für das „Oh, wie süß!“. Architekturfotografin, mit einem Sinn für Strukturen, Symmetrie, Linien und Wiederholungen. Dazwischen fotografiert sie mal locker ein passendes Feiertagsmotiv. Sie setzt kreative Fotoideen um und zeigt uns humorvolle und nachdenkliche Bilder; mit manchen Bildern muss man sich länger beschäftigen, da sie ein Rätsel sind. Claudias Fotos lassen sich nicht in eine Schublade stecken. Ich empfehle dir, auf ihrer Galerie mit den Fotos von ihrem 365-Tage-Projekt zu verweilen oder auf ihrer 500px-Seite vorbeizuschauen und dich durchzuklicken. Dann weißt du, was ich meine.

365-Tage-Projekt © Claudia Lerch

Hallo Claudia, erzähl uns etwas über dich – wer bist du, wo lebst du, was magst du und was kannst du überhaupt nicht ausstehen?

Ich bin vor Kurzem 50 geworden und fühle mich noch gar nicht so alt. Es kommt mir fast ein bisschen so vor: „In jedem älteren Körper steckt ein junger Mensch und fragt sich, wie zum Teufel das passieren konnte“. Was soll’s. Ich bin zwar nicht mehr ganz so frisch aber immer noch gefährlich! 😉 Hier sieht man schon, dass ich ein humorvoller Mensch bin.

Ich bin am Jurasüdfuss mit einer vier Jahre jüngeren Schwester aufgewachsen. Heute lebe ich mit meinem Partner im schönen Emmental, wo wir auch mit unseren Motorrädern schöne Touren unternehmen können. Das ist mein Sommerhobby und im Winter sind wir beide begeisterte Skifahrer.

Meine größte Leidenschaft und mein intensivstes Hobby ist jedoch die Fotografie. In der Fotografie kann ich mich im Moment auf keine Sujets festlegen und meinen eigenen Stil habe ich leider auch noch nicht gefunden.

Was ich gar nicht mag, sind intolerante und fanatische Menschen. Ich finde jede Art von Fanatismus irgendwie gefährlich. Ewige Nörgler, Jammerer und Couchpotatoes sind mir ein Graus.

Du hast viele Hobbys und bist vielseitig. Das kann man auch in deinen Fotos sehen. Wie lange fotografierst du eigentlich schon, wie bist du zur Fotografie gekommen und was war deine erste Kamera?

Diese begleitete mich schon als Kind, als ich meinen Vater, der ebenfalls Hobbyfotograf war, damals beobachtete, wie er noch seine Bilder zuhause selber entwickelte. Ich war fasziniert davon und habe ab und zu seine Kamera stibitzt und ging fotografieren. Lange Zeit blieb ich dann der Fotografie fern – Freunde und Ausgang und sonst noch vieles waren wichtiger. Irgendwann habe ich mir dann eine analoge Spiegelreflexkamera gekauft und fotografierte wiederum viel mehr.

Als das digitale Zeitalter kam, verlor für mich die Fotografie ihren Reiz und ich widmete mich anderem. Ungefähr im Jahr 2006 war für mich eine digitale Spiegelreflexkamera finanziell erschwinglich. Das war damals die Canon EOS300d. Aber wirklich Freude hatte ich nicht mehr am Fotografieren. Ich hatte damals andere Prioritäten (ich war frisch geschieden, selbständig, hatte einen jungen Hund) und einfach zu wenig Zeit, Ruhe und Muse mich mit der für mich neuen digitalen Form der Fotografie auseinander zu setzen. Irgendwann habe ich zusammen mit einem Freund auf gemeinsamen Spaziergängen plötzlich wieder dies und jenes gesehen und mit dem Handy angefangen, bewusster zu fotografieren und ab und zu die DSLR mitgenommen und die Freude am Fotografieren wiederentdeckt. Das war vor ca. zwei bis drei Jahren. Seither fotografiere ich mit viel Freude und Leidenschaft mit der Canon EOS60D. Ich liebäugle seit geraumer Zeit mit einer Vollformatkamera und werde mir wohl demnächst diesen Traum erfüllen.

Viele Fotografen – ob jung oder alt – fotografieren wieder mit Film oder entdecken die analoge Fotografie für sich neu. Hast du deine Bilder auch selbst entwickelt? Fotografierst du ab und zu noch auf Film?

Ich habe nie Bilder selber entwickelt. Irgendwann mal war ich in einem Workshop und wir haben am Morgen fotografiert und am Nachmittag die Bilder entwickelt. Diese Fotos habe ich jedoch nicht mehr. Die analoge Fotografie feiert ein Comeback – ich widme mich ihr jedoch nicht.

Was ist dein Lieblingsfoto und was die Geschichte dahinter?

Mein Lieblingsfoto ist ein altes Bild, welches ich auf einer Reise nach Norwegen geschossen habe. Bei bestem Wetter und sehr kalten Minustemperaturen waren wir im November 2008 auf einer Whale-Watching-Tour und konnten dort eine Walfamilie mit einem Jungtier beobachten. Obwohl es bitterkalt war, haben mich diese wunderbaren Orcas in ihren Bann gezogen und fasziniert. Die Könige der Meere einmal in freier Wildbahn zu erleben war ein unvergessliches und für mich sehr sehr berührendes Erlebnis. Noch heute erzeugen bei mir die Bilder, obwohl sie nicht wahnsinnig toll sind, eine Gänsehaut.

Orcas © Claudia Lerch

Was für ein schönes Erlebnis, danke, dass du diese Geschichte mit uns teilst. Auch wenn du meinst, das Foto sei „nicht wahnsinnig toll“, so zählt doch die Emotion, Verbindung und Erinnerung, die es in dir weckt. Dafür fotografieren wir und wenn dieses Foto bei dir eine Gänsehaut auslöst, dann ist es eben genau das: „wahnsinnig toll“.

Du hast dich ebenfalls für ein 365-Tage-Projekt verpflichtet und wir haben uns darüber schon mal auf Facebook ausgetauscht. Es ist nicht immer leicht, jeden Tag ein Bild zu schießen. Knüpfst du bestimmte Erwartungen an das Projekt? Gibt es ein bestimmtes Ziel, das du erreichen möchtest?

Es ist mein aktuelles Lieblingsprojekt (nicht immer aber meistens). Die Idee und das Ziel hinter dem Projekt 365 ist, mich fotografisch zu verbessern und meinen eigenen Fortschritt sichtbar zu machen und, wenn möglich, meinen eigenen Stil zu entwickeln.

365-Tage-Projekt © Claudia Lerch

Ich schleppe jeden Tag meine Kamera mit mir rum – vollgepackt wie ein Esel. Wenn ich irgendwann irgendwo etwas sehe und eine Idee für ein Bild habe, notiere ich mir das in meinem kleinen schwarzen Büchlein, welches in der Fototasche liegt, und wenn ich mal bis abends kein Bild habe, kommt das Ideenbüchlein zum Einsatz. Dort finde ich immer was. Es darf auch mal etwas Unkompliziertes und wenig Anspruchsvolles sein. Ich bin auch nicht jeden Tag gleich motiviert zu fotografieren. Und die einen oder anderen Bilder gefallen mir nicht. Aber es war halt dann das beste vom Tag…

Welche Rolle spielt die Bildbearbeitung in deinen Bildern? Bearbeitest du viel oder wenig? Welche Bildbearbeitungsprogramme benutzt du?

Grundsätzlich suche ich meine Sujets sehr gezielt aus und lasse mir Zeit bei der Wahl des Ausschnitts – ich mag es zu fotografieren und möchte meine Zeit damit verbringen und nicht beim Bearbeiten vor dem PC. Da ich ausschließlich im RAW-Format fotografiere, ist jedoch ein Entwickeln der Bilder am PC notwendig.

Dies mache ich vorwiegend in Lightroom, auch zuschneiden und kleinere Retouchearbeiten erledige ich dort. Ab und zu, wenn ich Zeit und Lust habe, verliere ich mich in den Tiefen von Photoshop.

Welche Fotografen haben dich inspiriert?

Einen speziellen Fotografen habe ich nicht, der mich inspiriert. Es ist das tägliche Leben, welches mich inspiriert. Alltägliche Situationen, Menschen wie du und ich sind für mich immer und immer wieder Inspiration. Ich möchte meinen eigenen Stil finden und nicht einfach jemanden kopieren.

365-Tage-Projekt © Claudia Lerch

Welche Fotografieblogs liest du gerne?

Deinen Fotoblog lese ich gerne. Außerdem verfolge ich noch:

Ich benutze alle Blogs als Inspiration und auch, um mal dies oder jenes zu lernen.

Auf deiner Internetseite kann man nachlesen, dass du Fotoshootings im Rahmen der GAF-Ausbildung anbietest. Was ist GAF? Und erzähl uns kurz, wo das Shooting stattfindet und wie so ein Tag mit dir abläuft.

GAF ist eine Gruppe autodidaktischer Fotografen. Das heißt, wir haben eine Gruppe gegründet und bilden uns zusammen weiter. Wir suchen uns die Themen aus, welche uns interessieren und aufgrund dieser Themen dann einen entsprechenden Referenten (Fotografen), der uns genau dieses Wissen vermittelt. Die gesamte Organisation von Terminen, Referenten, Location, Studios etc. liegt in unserer Hand. Mehr Infos dazu kann man unter www.gaf-portfolio.ch nachlesen.

Da ich erst seit kurzem Fotoshootings anbiete, ist hier meine Erfahrung noch ziemlich bescheiden. In der Regel verabrede ich mich mit dem „Model“ im Vorfeld und bespreche, welche Bilder gewünscht sind.

© Claudia Lerch

Außerdem gebe ich ein paar Tipps mit, welche Kleidung ideal ist, dass mehrere Kleidungsstücke mitgenommen werden und was an Accessoires interessant sein könnte. Bei Gruppenshootings ist für mich wichtig, dass alle farblich zueinander passen. Nach dem Gespräch mache ich mir Gedanken, wie ich die Beleuchtung für die Studioeinrichtung etc. wähle. Da ich kein eigenes Studio habe, miete ich jeweils das Studio eines befreundeten Fotografen.

© Claudia Lerch

Und nun zur letzten Frage: Was würdest du tun, wenn du dir ein Jahr freinehmen könntest ohne Geldsorgen und andere Verpflichtungen?

Zusammen mit meinem Partner würde ich die Welt bereisen. Zu Land, auf dem Wasser, mit einem Camper, einem Segelboot und dem Motorrad. Ohne genaue Vorstellung, ohne Ziel, einfach der Nase nach. Mein Ziel wären eher die nordischen Länder. Land, Leute und die eher raue und stürmische Witterung faszinieren mich. Wenn ich die Wahl habe, bevorzuge ich kühle nordische Temperaturen und menschenleere Gegenden. Überfüllte Strände, heiße Temperaturen und laute Discos überlasse ich gerne den anderen.

Liebe Claudia, herzlichen Dank, dass du dir Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten. Ich wünsche dir noch viele gute Fotos und Motive für dein Projekt und bin gespannt, welches Fazit du am Ende des Jahres ziehen kannst: Ob du deinen Stil gefunden hast oder vielleicht noch ein 365-Tage-Projekt dranhängst? Wer Lust auf ein Shooting mit Claudia hat oder einfach mal „Hallo“ sagen möchte, kann sich einfach bei ihr melden.

Damit beschließe ich die Interviewserie fürs Erste. Beide Interviews haben mir sehr viel Spaß gemacht. Nächsten Montag werde ich aber von einem Workshop berichten, auf den ich mich schon seit einigen Wochen freue. Benjamin Jaworskyj ist aktuell auf seiner Workshoptour quer durch Deutschland, Österreich und der Schweiz unterwegs und kommt am 21.04.2015 nach München. Ich bin dabei und werde beschreiben, wie es war. Wer ihn noch nicht kennt, sollte sich unbedingt mal seinen YouTube-Kanal anschauen.

4 Gedanken zu „Im Gespräch mit Claudia von Zauber-Art.ch

  1. Liebe Aleksandra
    das hast du ganz wunderbar umgesetzt. Ich danke dir für das Interview und das Überarbeiten meiner Texte.
    Ja und auch in bin gespannt, welches Fazit ich am Ende meiner 365-Tage-Projektes daraus ziehen kann. Was ich bestimmt nicht tun werde, ist weitere 365 Tage daran hängen…. 😉
    Ich wünsche dir eine gute Zeit und bin gespannt auf Feedback.
    Liebe Grüsse aus der Schweiz

  2. Ahhh, wieder so einwunderbares Interview. Schade das Du eine Pause einlegst, hab mich grad dran gewöhnt. Wobei der Workshop auch spannend klingt… !
    Und ich freu mich natürlich doppelt. Dank Deines Beitrags hab ich tatsächlich gleich noch was über eine weitere leserin erfahren 😉 Witziger Zufall…

    Viel Spaß und gute Momente auf jeden Fall bei dem Workshop, ein Bericht wird ja sicher folgen 😉

    • Genau Markus.
      Schade hört Aleksandra nach uns beiden schon wieder auf. Vielleicht hätte wir den oder die eine oder andere Fotografin oder interessanten Blog kennen gelernt.

  3. Markus, Claudia, ihr seid so süß 🙂
    Mir hat das Interview mit euch beiden sehr viel Spaß gemacht und ich werde weitere Fotografen vorstellen. Nächste Woche gibt es aber erst Mal den Workshopbericht. Darauf freue ich mich auch schon sehr.

    Wer Lust hat, seinen Blog hier vorzustellen, kann mir jederzeit eine Nachricht schreiben. Auch wenn du keinen Blog hast sondern nur einen Account bei Flickr, 500px, etc. kannst du mir eine Nachricht schreiben.

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