Mein 7-Punkte-Plan zum Auswählen von Fotos für ein Fotobuch

Hast du schon mal ein Fotobuch erstellt? Wie ist es dir dabei ergangen? Ging es dir auch so, dass du enthusiastisch an die Aufgabe herangegangen hast, am Ende aber erschöpft aufgehört oder sogar aufgegeben hast? Neben den vielen Anbietern auf dem Markt, die es einem nicht leicht machen, sich für einen zu entscheiden, stellt auch noch das Auswählen und Zusammenstellen der Fotos eine Hürde dar. Welche Fotos sollen gezeigt werden? Wie soll ich sie anordnen? Wie peppe ich das Fotobuch auf, dass es richtig toll wird?

Das Titelbild muss ein Foto sein, das einen Wow-Effekt hat. Dieses Foto darf später auch gerne noch mal verwendet werden.

Auch ich habe mich jetzt mal mit diesen Fragen beschäftigt, denn schnell war klar, dass ich von den Fotos von meinem Ausflug zum Eibsee ein Fotobuch erstellen möchte – als Erinnerung für mich und für meine Schwiegereltern, die dabei waren. Von der Wanderung um den See habe ich 168 Fotos gemacht. Nun ist es natürlich wenig sinnvoll, all diese Bilder in ein Fotobuch zu packen, da die meisten, mich eingeschlossen, von einem Motiv manchmal mehrere Fotos machen. Ein Hochformat, ein Querformat, näher heran, weiter weg. Die will man nicht alle in einem Fotobuch sehen. Wie aber wählt man nun aus der Auswahl mehrere Motive und der Masse der Fotos, die an einem einzelnen Tag entstehen kann, die besten für ein Fotobuch aus?

Wenn man zu viele Bilder aneinanderreiht, wird es schnell überladen und langweilig und man zeigt eigentlich nur Wiederholungen. Ich möchte dir eine Methode vorstellen, wie du Fotos für ein Fotobuch auswählst, das du dir immer wieder gerne anschauen wirst. Andere werden ebenfalls begeistert sein. Das ganze erfolgt in 7 Schritten:

  1. Aussortieren
  2. Fotos als Kontaktbogen ausdrucken und ausschneiden
  3. In Gruppen sortieren
  4. Storytelling: Die Fotos sollen eine Geschichte erzählen
  5. Fotos auswählen und kombinieren
  6. Ausgewählte Bilder bearbeiten
  7. Fotobuch erstellen

Letztes Jahr im Herbst habe ich bei Lars Wunderlich einen Portraitworkshop besucht und dort das erste Mal diese Methode mit den Kontaktbögen kennengelernt. Außerdem besuche ich das Einzelcoaching bei ihm und er hat mir letzten Montag dabei geholfen, das Storytellilng für das Fotobuch zu entwickeln, die Bilder auszuwählen und sie anzuordnen. Das Buch ist ein richtiges Schätzchen geworden und ich habe es schon mehrmals durchgeblättert und bin immer wieder aufs Neue begeistert.

Die Tipps, wie du ebenfalls ein tolles Fotobuch zusammenstellst, möchte ich gerne an dich weitergeben. Im Internet gibt es viele Fotobuchanbieter, die dir erklären, wie du ein Fotobuch erstellst, aber niemand sagt dir, wie du die Fotos am besten auswählst und eine Geschichte erzählst.

Es geht heute also nicht um die technische Seite, sondern um die Ästhetik und Planung des Fotobuchs. Klick um zu Tweeten

Der 7-Punkte-Plan

1. Aussortieren

Bevor es nach dem Import in dein Bildbearbeitungsprogramm oder auf deinen Computer überhaupt an die Bildbearbeitung geht, solltest du aussortieren: Unscharfe (es sei denn, dies ist beabsichtigt) und verwackelte Bilder kannst du sofort löschen. Ansonsten kannst du erst mal sparsam beim Löschen und Aussortieren sein, vielleicht passt ein Bild, das dir gerade unscheinbar und nichtssagend erscheint, genau richtig in dein Fotobuch. Und fange nicht sofort an, Bilder zu bearbeiten. Die Bildbearbeitung kommt erst in Schritt 6.

2. Fotos als Kontaktbogen ausdrucken und ausschneiden

Von den verbleibenden Bildern druckst du Kontakte aus. In Lightroom geht das folgendermaßen:

Lightroom-Drucken-Kontaktbogen

  • Erstelle eine Sammlung und füge alle Bilder für das Fotobuch dort hinzu.
  • Gehe auf Drucken und wähle dort den Kontaktbogen 4 × 5. Damit dann nicht nur ein Bild im Kontaktbogen ist, musst du mit Strg + A alle Bilder auswählen, sodass die Felder gefüllt werden.
  • Ich ändere dann den Kontaktbogen von 4 x 5 zu 3 x 4, sodass die Kontaktbilder größer sind. Du brauchst zwar dann mehr Fotopapier, aber die Bilder sind besser zu erkennen.

Falls du kein Lightroom hast, dann markiere alle Bilder durch Strg + A, gehe auf Drucken, und wähle dann das Format Passbilder oder Kontaktabzug aus. Bei Kontaktabzug sind die Bilder für meinen Geschmack jedoch zu klein.

Drucke das ganze aus und schneide die Kontakte aus. Vielleicht denkst du, das sei viel zu umständlich und außerdem nicht umweltfreundlich. Aber nur so kannst du dir bei mehreren hunderten Fotos einen Überblick verschaffen und alle mehrmals sichten und auf dich wirken lassen. Es gab ja einen Grund, warum du bei einem Motiv mehrmals auf den Auslöser gedrückt hast und mehrere Ausschnitte gewählt hast. Außerdem siehst du im Computer die Fotos nur in einer linearen Abfolge, indem du auf das nächste Foto klickst. In Lightroom kannst du dir auch ein Raster mehrerer Fotos anzeigen lassen und dann vielleicht sagen, dieses Foto aus der Gruppe von Portraits ist schöner als das andere. Wenn es aber später in Schritt 5 ans Auswählen und Kombinieren der Bilder geht, kannst du aus den Gruppen (Schritt 3) eines der Fotos nehmen und beurteilen, wie es mit und neben dem Pendant wirkt und aussieht. Das geht am Computer nicht.

Wenn jetzt alle Kontakte ausgeschnitten sind, geht es an das Sortieren der Bildchen.

3. In Gruppen sortieren

Suche dir einen Ort, an dem du Platz hast, die ausgeschnittenen Kontakte auszubreiten und in Gruppen zu sortieren. Dafür eignet sich zum Beispiel ein großer Esstisch. Für mein Fotobuch habe ich zwei Hauptgruppen gebildet:

  • Reine Landschaftsbilder; und
  • Fotos, in denen Personen zu sehen sind, wie zum Beispiel Portraits.

Dann habe ich weitere Untergruppen gebildet

  • Portraits der einzelnen Personen: Hast du von einer Person mehrere Bilder gemacht, kommen die natürlich nebeneinander. Achte jedoch auch auf Unterschiede wie andere Orte oder veränderte Lichtverhältnisse. Das sind alles Untergruppen für sich, auch wenn es zum Beispiel ein und dieselbe Person ist, die auf den Bildern zu sehen ist.
  • Mehrere Bilder von demselben Motiv legst du auch nebeneinander.

DSC08698

Wenn du deine Gruppen gebildet hast, überlegst du dir im nächsten Schritt die Geschichte, die dein Buch und deine Fotos erzählen sollen.

4. Storytelling

Das ist wohl mit der wichtigste Punkt in diesem 7-Schritte-Plan. Denn jetzt entscheidet sich, welche Geschichte du mit den Fotos erzählen wirst.

Bei meinem Fotobuch hatte Lars eine sehr schöne Idee: die hochformatigen Bilder sollen jeweils einzeln auf der rechten Seite stehen und durch ein passendes Zitat auf der linken Seite ergänzt werden. Bei den Querformaten wird immer ein Bild mit einer Person zu sehen sein und daneben ein Natur- oder Landschaftsfoto. Diese Anordnung und dieses Schema spiegelt die Stichworte des Tages Ausflug, Familie und Natur am besten wider.

Das Überlegen eines Schemas für das Storytelling ist anspruchsvoll und wenn du das zum ersten Mal machst, wird es vielleicht gar nicht so einfach sein. Ich hatte bei meinem Fotobuch Hilfe von Lars, einem erfahrenen Fotografen, der schon etliche Fotobücher für seine Kunden zusammengestellt hat. Wenn du keinen Profi zur Hand hast, wird das aber auch klappen.

Überlege dir:

  • Was hast du fotografiert? Was ist dein Leitthema (z.B. Landschaft, Familie, Stadt, Architektur)?
  • Welche Botschaft oder Geschichte willst du dem Betrachter vermitteln?
  • Hast du Fotobücher von Fotografen daheim? Dann schau sie dir doch mal an. Kannst du dort ein Schema erkennen? Gefällt dir dieses Schema? Kannst du es für dein Fotobuch übernehmen? Wie viele Bilder werden pro Seite gezeigt?

Sei kreativ. Die Idee mit den Zitaten ist wunderschön und kann sicherlich auf viele Fotobücher angewendet werden. Ich habe für mein Fotobuch ausschließlich Zitate gewählt, die einen Bezug zur Natur haben, da sie auf der linken Seite neben dem Foto im Längsformat standen und diese Fotos ausschließlich Naturfotos zeigten.

DSC08713-1

Übersetzung: Wohin auch immer Du gehst, ganz gleich wie das Wetter ist, bring immer deinen eigenen Sonnenschein mit — Anthony D’Angelo

Wenn du keine Fotobücher daheim hast, dann besuche deine Bibliothek oder den nächsten Buchladen und schaue dir Fotobücher an.

Überlege dir auch welches Format für dein Buch infrage kommt:

  • Quadratisch
  • Quer
  • Längsformat

Für mein Fotobuch hat sich ein quadratisches Format angeboten, da ich sowohl Fotos im Hochformat als auch Querformat einfügen wollte. Wenn du dich zum ersten Mal mit dem Storytelling für ein Fotobuch beschäftigst, lass dir genug Zeit und hole dir Ideen aus anderen Fotobüchern.

5. Fotos auswählen und kombinieren

Nachdem dein Schema feststeht, darfst du (jetzt endlich) die Fotos aus den sortierten Gruppen und Untergruppen auswählen.

Beim Anordnen kommt es übrigens nicht auf die chronologisch korrekte Darstellung des zeitlichen Ablaufs an. Das letzte Foto kann das erste sein, das erste Foto das letzte. Hauptsache es passt alles zusammen und der rote Faden ist erkennbar.

Das Auswählen und Zusammenstellen ist mithin gar nicht einfach. Kombiniere Linien, Farben, Blickrichtungen und Gegensätze wie nah und fern, rückwärts und vorwärts:

Beachte auch die Favoriten anderer und wähle, wenn möglich, mit einer zweiten Person die Fotos aus. Es ist hilfreich, wenn Personen, die auf den Bildern zu sehen sind, einem mitteilen, welche Bilder ihre Favoriten sind und warum.

Wenn alle Fotos ausgewählt sind, nummerierst du alle Kontakte von eins bis zum Ende durch; dann weißt du genau, welche Fotos du im Buch einfügen wirst und in welcher Reihenfolge. Diese Bildchen kannst du dann mit an deinen Arbeitsplatz zum Bearbeiten nehmen.

6. Ausgewählte Bilder bearbeiten und ein letzter Check

Hier muss ich nicht viel erklären: Nun kannst du die ausgewählten Bilder bearbeiten und exportieren. Aber prüfe deine Fotos vor und nach dem Exportieren noch einmal auf folgende Punkte:

  • Passt die Belichtung?
  • Ist der Horizont gerade?
  • Wirken die Farben natürlich?
  • Sind Sensorflecken zu sehen?

Erkennst du beim Reinzoomen eine chromatische Abberation?

7. Fotobuch erstellen

Das Erstellen des Buches geht dann zügig voran. Die Zitate zu finden war noch mit etwas Zeitaufwand verbunden. Bei dem Format hab ich mich für ein Quadratisches entschieden, da ich Fotos im Quer- und Hochformat kombinierte. Das Design und Layout habe ich schlicht gelassen. Der Hintergrund auf den Seiten ist leicht grau, da mir ein reines Weiß nicht gefallen hat. Beim Design und Layout sind dir natürlich keine Grenzen gesetzt.

Wichtig ist, dass du das Fotobuch nicht mit Fotos überladest. Die Fotos sollen für sich wirken und alleine… Klick um zu Tweeten

Bevor du deine Bestellung aufgibst, führe aber auf jeden Fall noch einen letzten Check durch:

  • Ist das Foto so platziert, wie du es dir vorgestellt hast?
  • Ist jedes Foto dort, wo du es hinhaben willst?
  • Gibt es Rechtschreibfehler?
  • Fällt dir noch ein Fehler auf einem Foto auf (siehe Schritt 6)?
  • Gefällt dir das Design, die Farbe und das Layout?

Fotobuchanbieter gibt es heute wie Sand am Meer. Ich bestelle meine Fotobücher beim Anbieter Saal Digital. Ich mag diesen Anbieter, weil die Produktion und Lieferung immer super klappt und sie unvergleichbar schnell sind. Das Buch habe ich am Dienstag erstellt und um 16 Uhr die Bestellung online hochgeladen; am Donnerstag um 9 Uhr war es schon bei mir daheim.

Extratipp

Auf der Internetseite FotobuchBerater.de dreht sich alles um Fotobücher. Dort findest du 29 Fotobuchanbieter im Vergleich, Fotobuchgutscheine und einen umfangreichen Ratgeber mit vielen Tipps zum Erstellen eines Fotobuchs. Genug Lesestoff für das erste Herantasten an dein eigenes Fotobuch.

Fazit

Das war also mein 7-Schritte-Plan zum Auswählen der richtigen Fotos für ein Fotobuch. Vielleicht warst du auch schon mal höchst motiviert, ein Fotobuch zu erstellen, aber abgeschreckt von der Masse an Fotos, die du zur Auswahl hast. Mit diesem 7-Schritte-Plan sollte dies nun nicht mehr der Fall sein. Vorarbeit ist trotzdem zu leisten, aber sobald dein Storytelling steht und die Fotos ausgewählt hast, geht das Erstellen des Fotobuchs ruckzuck.

Beim Durchblättern des Buches bin ich selbst über meine Fotos überrascht und denke mir: „Wow, die sind echt schön geworden.“ Und auch wenn es von den 168 Fotos nur 31 ins Buch geschafft haben, so habe ich nicht das Gefühl, dass etwas fehlt. Noch mehr Fotos wären zu viel gewesen. Alle, die dieses Fotobuch bis jetzt gesehen haben, waren begeistert.

Zum Schluss noch mal die 7 Schritte:

  1. Verwackelte und unscharfe Fotos aussortieren
  2. Fotos als Kontaktbogen ausdrucken und ausschneiden
  3. In Gruppen sortieren
  4. Storytelling: Die Fotos sollen eine Geschichte erzählen
  5. Fotos auswählen und kombinieren
  6. Ausgewählte Bilder bearbeiten
  7. Fotobuch erstellen

Wie sind deine Erfahrungen mit dem Erstellen von Fotobüchern? Hast du noch einen guten Tipp auf Lager? Wo bestellst du dein Fotobuch am liebsten?

5 Gedanken zu „Mein 7-Punkte-Plan zum Auswählen von Fotos für ein Fotobuch

  1. Schöner, detailierter Bericht. Ich bin nicht sooo der Freund von Fotobüchern, weil mir genau dieses „Wow“ bei der Gestaltung fehlt. Dafür hab ich einfach kein Händchen…

    • Ja, so geht es vielen. Aber für besondere Momente, Events, Ausflüge, Reisen, etc. lohnt es sich, die Zeit zu investieren, die besten Fotos auszusuchen und ein Fotobuch zusammenzustellen.

  2. Wow, die Sache mit dem Kontaktbogen kannte ich noch gar nicht.
    Das ist echt eine sau gute Idee! (ich hab allerdings kein Farbdrucker :))

    Liebe Grüße,
    Marc

    • Du kannst ja mal ausprobieren, ob du mit schwarz-weißen Kontakten zurechtkommst. Und wenn das dann gar nicht geht, dann vielleicht doch in einen kleinen Home-Office-Farbdrucker investieren?
      Liebe Grüße
      Aleksandra

  3. Pingback: Von Tassen und Urlauben | Aleksandras Fotoblog

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