Schon wieder mit den falschen Einstellungen fotografiert?

Hier kommt die Lösung: Eine Checkliste zum Downloaden, Ausdrucken und Mitnehmen

Geht es dir manchmal auch so? Du machst dich auf den Weg mit deiner Kamera und deinem ganzen Equipment. Du hast eine Bildidee im Kopf, die du sofort ausprobieren möchtest. Vor Ort angekommen baust du dein Stativ auf, stellst manuell scharf, stellst den Funkauslöser ein, kontrollierst den Bildausschnitt und das Histogramm. Beim ersten Auslösen hörst du dann das Piepgeräusch des 10-Sekunden-Auslösers, der noch vom Vorabend eingestellt ist. Piep. Pause. Piep. Pause. Piep, piep, piep. Klick. Der Selbstauslöser war noch von gestern eingestellt. Du stellst von Selbstauslöser auf Einzelbildaufnahme um und dann legst du richtig los und machst deine ersten 40 Fotos.

Das geht ziemlich schnell, vor allem, wenn du Portraits fotografierst. Auf dem Display sehen die Fotos ja auch schon richtig gut aus. Doch dann überkommt dich die Erkenntnis, die eigentlich schon bei der Sache mit dem 10-Sekunden-Auslöser hätte kommen sollen: Du hast die Einstellungen vom Vorabend nicht zurückgesetzt, bevor du angefangen hast. Du schaust jetzt genauer auf die Werte in deinem Display und merkst, es ist dir schon wieder passiert: zu hohe ISO-Werte mit resultierenden kurzen Belichtungszeiten, die du nicht brauchst, und eine zu offene Blende, wobei du doch eigentlich viel Schärfentiefe haben wolltest.

Warum merken wir nicht, dass wir mit den falschen Einstellungen fotografieren?

Die Gründe dafür sind vielfältig: Unaufmerksamkeit, Zeitmangel, Fotografieflow.

Die Kamera unterstützt uns mit den Halbautomatikmodi A und S/Tv dadurch, dass sie je nach eingestellter Blende oder Belichtungszeit den entsprechenden Blendenwert bzw. die Belichtungszeit anpasst (Stichwort Belichtungsdreieck), damit du ein korrekt belichtetes Bild fotografieren kannst.

Wenn die neue Fotosession ungefähr zur gleichen Tageszeit mit gleichen oder ähnlichen Lichtverhältnissen und Bedingungen stattfindet wie die vorherige, wird vielleicht kein großer Unterschied bemerkbar sein. In meinem Fall war es aber so, dass ich am Vorabend in der Wohnung mit schlechten Lichtverhältnissen folgende Einstellungen gewählt hatte:

Programm A, Blende 3,2 und ISO 1600.

Aber am nächsten Tag war es sonnig und hell. Da ich nicht im manuellen Belichtungsmodus fotografiert habe, passte die Kamera die Belichtungszeit entsprechend an und ich kam auf einen Wert von 1/4000 Sekunden. Leider passiert mir das manchmal. Nicht weil ich nicht weiß, wie ich die Einstellungen richtig wählen soll, sondern weil es so viel drum herum zu beachten gibt, z.B. richtig scharfstellen, einen Bildausschnitt wählen, den Fernauslöser einstellen, warten, das jemand aus dem Bild verschwindet, etc. Wenn dann noch Zeitmangel oder Unaufmerksamkeit dazu kommen, fotografiert man schon mal mit den falschen Einstellungen.

Bei mir war es an dem Tag einfach Zeitmangel. Ich wollte das Wetter ausnutzen und eine Idee ausprobieren, hatte aber nur ca. 1,5 Stunden Zeit, bevor ich schon zum nächsten Termin musste. Und so habe ich mich zu sehr gehetzt und die Einstellungen nicht gleich am Anfang kontrolliert.

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Kein reiner Anfänger-„Fehler“

Sogar Fotografen mit langjähriger Erfahrung passiert das. So beschreibt zum Beispiel der kanadische Fotograf David duChemin in einem Blogbeitrag What’s With The ISO, dass er viel in Moscheen und Tempeln bei schlechten bzw. wechselnden Lichtverhältnissen und daher mit hohen ISO-Zahlen fotografiert und teilweise eine Stunde vergeht, bis ihm auffällt, dass er die ISO-Werte nicht wieder runter geschraubt hat. Er sagt, dass er einfach zu sehr vom Fotografieren abgelenkt sei. Man kann hier aber nicht unbedingt von falschen oder schlechten Fotos reden, nur davon, dass es auch mit anderen Einstellungen gegangen wäre. So wie bei meinem Bild. Es ist hell und freundlich und doch noch etwas kühl und kahl. So eine Atmosphäre wollte ich transportieren. Aber ich wäre auch mit anderen Einstellungen zu diesem Ergebnis gelangt.

Meine ersten Versuche mit Schwebefotos

Meine ersten Versuche mit Schwebefotos.

Die Checkliste zum Downloaden, Ausdrucken und Mitnehmen

Und damit dir und mir das nicht mehr so oft passiert, habe ich eine Checkliste vorbereitet, damit du vor dem nächsten Foto die Einstellungen überprüfen kannst. Das hatte ich mir schon lange vorgenommen und jetzt ist sie endlich da.

Kontrolliere die Einstellungen, die du besonders oft änderst. Nicht alle hier aufgezählten Punkte musst du immer überprüfen. Vieles ist selbsterklärend, nur bei einigen Begriffen habe ich noch eine kurze Erklärung hinzugefügt.

  • Bildformat: RAW, RAW+JPEG oder JPEG
  • Bildfolgemodus: Einzelaufnahme, Serienaufnahme oder Selbstauslöser
  • Bildgröße: Small, Medium oder Large
  • Bildstabilisator: „Aus“ wenn mit Stativ fotografiert wird; „Ein“ wenn ohne Stativ fotografiert wird
  • Fokusmodus: Autofokus oder manueller Fokus
  • Fokusfeld: Breite, Mitte oder Spot
  • Belichtungskorrektur: Auf „0“ zurückstellen
  • ISO: Entsprechend den Lichtverhältnissen anpassen
  • Messmodus: Multi-, Mitte- oder Spotmessung
  • Weißabgleich: Entsprechend den Lichtverhältnissen anpassen
  • Kreativmodus/Bildstil/Picture Style: nur wenn du im RAW-Format fotografierst, heißt bei den Kameraherstellern unterschiedlich; diese Einstellung ändert Farben, Kontrast, Schärfe und Sättigung und verleiht deinem Bild eine gewisse Atmosphäre. Ich halte mich nicht mit dem Kreativmodus auf, da ich Schärfe, Sättigung und Kontrast auch in der Bildbearbeitung ändern kann. Bei mir ist der Kreativmodus immer auf Standard eingestellt.
  • Effektfilter/Bildeffekt: nur wenn du im JPEG-Format fotografierst, heißt eventuell bei den verschiedenen Kameraherstellern anders; bei der Aufnahme eines Fotos kannst du gleich einen bestimmten Effekt anwenden. Der Vorteil ist, dass du dir die Bildbearbeitung mit einem Filter in Gimp oder Photoshop sparen kannst, denn die Kamera erledigt das für dich. Der Nachteil ist natürlich, dass du diesen Effekt nicht mehr rausbekommst und das Bild so bleibt, wie es ist. Bei meiner Kamera gibt es einige Bildeffekte, mit denen ich rumspielen kann: Teilfarben (Rot, Gelb, Grün und Blau), Sepia, Soft High-Key, Retro-Foto, Pop-Farben, Spielzeugkamera, Wasserfarben, etc. Zum Ausprobieren sind die Effekte ganz lustig. Aber ich empfehle dir, diese Einstellung auf „Aus“ zu setzen, es sei denn, du möchtest das Foto mit einen bestimmten Effekt fotografieren.

Und hier das ganze zum Downloaden, Ausdrucken und Mitnehmen:

PDF Checkliste Einstellungen

Pack den Ausdruck gleich in deine Fototasche, dann vergisst du die Checkliste nicht daheim. Und teile die Grafik mit deinen Freunden, wenn ihnen das auch manchmal passiert.

5 Gedanken zu „Schon wieder mit den falschen Einstellungen fotografiert?

  1. Eine tolle Checkliste – die sollte man immer dabei haben.

    Gerade wenn man am Abend vorher noch mit ISO 1600 rum fotografiert hat und am nächsten Tag bei strahlendem Sonnenschein verwundert ist, warum die Bilder so hell sind. 😉 Ist mir gerade erst wieder in Thailand passiert.

    LG Thomas

    PS: Danke fürs Verlinken!

    • Stimmt, das mit der hohen ISO-Zahl passiert oft. Euer Thailand-Urlaub scheint ja super gewesen zu sein, den Bildern zufolge 🙂
      Liebe Grüße
      Aleksandra

  2. Pingback: Ich stand mit Rolf Zuckowski auf der Bühne | Aleksandras Fotoblog

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