Mache ich eigentlich Fortschritte?

Ich habe auf dem Blog kwerfeldein.de einen interessanten Artikel gelesen. Er heißt Stephen Leslie und sein Tagebuch. Der Artikel wurde im Oktober 2013 veröffentlicht und Leslie beschreibt, wie er damals vor 14 Jahren mit einem Fototagebuch anfing. Er machte jeden Tag ein Foto, druckte dieses Foto aus und klebt es in sein Buch. Alle drei Monate war das Buch voll und er fing mit einem neuen an. Unter die Fotos machte er sich kleine Notizen. Diese Notizen beinhalteten zum Beispiel einen Titel für das Foto oder wann er das Foto aufgenommen hat.

Leslie benutzte dieses Fototagebuch nicht, um seinen fotografischen Fortschritt zu dokumentieren. Aber dieser Artikel inspirierte mich, die Idee mit seinem Tagebuch weiterzuentwickeln. Denn ich stellte mir gerade in letzter Zeit immer wieder folgende Frage: Wie kann ich meinen fotografischen Fortschritt dokumentieren?

Wo stehe ich gerade?

Diese Frage beschäftigte mich seit einigen Tagen. Denn ich habe das Gefühl, mich gerade in einem fotografischen Schwebezustand zu befinden. Als ich vor ein paar Monaten mit der Fotografie anfing, waren die Objekte und Motive, die ich fotografiert habe, Pilze, Landschaften, Makro, Blumen, Hunde, Katzen und ab und zu ein Familienmitglied. Das sind Objekte und Motive, mit denen wohl jeder anfängt. Ich will mich aber weiterentwickeln und zum Beispiel meine Porträt- und Selbstporträtfähigkeiten ausbauen. Und ich glaube, dass man mir und meiner Galerie anmerkt, dass ich noch nicht so genau weiß, wohin mein Weg mich führt.

In meinem letzten Beitrag ging ich darauf ein, dass du dir ein Projekt suchen solltest und daran auch erkennen kannst, was du gerne fotografierst, was dir liegt und Spaß macht. Mithilfe eines Tagebuchs kannst du deinen Fortschritt bei deinem Projekt messen. Mein nächster Gedanke war also:

Ich besorge mir ein Fototagebuch.

Der Prototyp

Auf der Suche nach einem Fototagebuch, das ich bestellen kann, stellte ich fest: da gibt es nichts zu finden. Ich konnte natürlich blanke Notizbücher oder leere Fotoalben hernehmen, aber die entsprachen nicht meiner Vorstellung von so einem Tagebuch. Also habe ich mir einen Prototyp selbst entworfen. Die PDF stelle ich dir mit einer kleinen Anleitung zum Download zur Verfügung. Du kannst das Tagebuch gerne ausdrucken und verwenden und die PDF an andere weitergeben.

Fototagebuch PDF

So sieht mein Tagebuch ausgedruckt und mit dem ersten Eintrag aus:

Fototagebuch

Ich werde vielleicht nur ein Foto pro Eintrag einkleben; oder auch mehrere. Vielleicht drucke ich mir mehrere Bilder als Kontakte aus, um sie besser analysieren und die besten Fotos aus einer Serie auswählen zu können.

Du kannst dieses Tagebuch nach Belieben verwenden: jeden Tag, alle paar Wochen, als Projekt- und Notizbuch für deine Bildvisionen. Passe es so an, dass es zu dir passt.

Was soll ich in mein Tagebuch notieren?

Ich habe mir überlegt, auf welche Fragen ich mir eine Antwort geben muss, wenn ich ein Foto dahingehend analysiere, ob es mir gelungen ist oder nicht. Diese Fragen sind mir dann in den Sinn gekommen:

  • Wann habe ich dieses Bild aufgenommen?
  • Gab es Schwierigkeiten? Was war schwierig? Technik oder Umsetzung?
  • Was wollte ich aufnehmen?
  • Ist das Foto Teil einer Serie oder eines Projekts?
  • Habe ich passende Motive gefunden?
  • Wann wurde es aufgenommen?
  • Wo wurde es aufgenommen?
  • Wie war das Wetter?
  • War es ein Shooting mit einem Modell?
  • Wie habe ich mir das Endbild vorgestellt? Entspricht das Foto dem Endbild?
  • Welches Objektiv habe ich benutzt?
  • Welche Kamera?
  • Habe ich eine neue Technik ausprobiert?
  • Habe ich genug voraus geplant?

Die Liste ist natürlich nicht vollständig und du kannst sie durch deine eigenen Fragen gerne fortführen.

Welchen Nutzen kannst du aus diesem Tagebuch ziehen?

Du kannst, zum Beispiel, jeden Tag oder alle paar Tage ein Foto einkleben. Vielleicht möchtest du nur ein Projekt dokumentieren oder mehrere Serien. Vielleicht hast du eine Bildvision im Kopf, die einfach schwierig umzusetzen ist. Dann hilft dir dieses Fototagebuch, dich Schritt für Schritt deiner Vorstellung anzunähern. Du kannst mit den Bildern dokumentieren, was geklappt hat und was nicht. Wenn du mal wieder nicht weiter kommst, kannst du zurückblättern und sehen, ob sich Hinweise aus vergangenen Bildern erschließen lassen.

Aber das wichtigste ist, dass du mit diesem Tagebuch deine Entwicklung dokumentierst. Wenn du dich nun einem neuen Genre nähern möchtest, kannst du mithilfe deiner Einträge und Fotos nachvollziehen, wie deine Fortschritte verlaufen.

Langsam wirst du deine eigene Bildsprache finden und erkennen und verstehen, wie du fotografierst und wie du deine Bilder bearbeitest.

Fazit

Ein schönes Zitat von Fotograf John Sexton beschreibt ziemlich treffend den Sinn eines Fototagebuchs. “Bilder, welche Du gemacht hast, haben Einfluss auf die, welche du machen wirst. So ist das Leben!” Klick um zu Tweeten

Aber damit du weißt, welche Bilder du gemacht hast, müssen sie für dich greifbar, sichtbar und präsent sein.

Mit einer Digitalkamera können wir unzählige Bilder an einem Tag aufnehmen. Wir übertragen diese Bilder dann auf unseren Computer, speichern sie ab, importieren sie in unser Bearbeitungsprogramm, wählen ein paar aus, machen diese hübsch und exportieren sie – vielleicht. Viel eher passiert es, dass sie dann auf der Festplatte in Vergessenheit geraten.

Oft hört man von Fotografen, die mit Film fotografieren oder fotografiert haben, dass sie viel genauer das Objekt oder die Szene betrachten und sich bei der Bildkomposition mehr Zeit lassen, bevor sie auf den Auslöser drücken. Denn mit so einer Rolle Film ist man ziemlich schnell durch. Und um die Ergebnisse anschauen zu können, muss man den Film entwickeln lassen. Der Nachteil ist: Film und Entwicklung kosten Geld. Der Vorteil ist: Du hältst ein Ergebnis in Händen und siehst deine Arbeit.

Deswegen empfehle ich dir, ab und zu deine Fotos, die du mit deiner Digitalkamera aufgenommen hast, auch entwickeln zu lassen und sie in dieses Tagebuch einzukleben. So geraten sie nicht in Vergessenheit, du erinnerst dich an bestimmte Situationen und vergessene Bilder wieder, die dich erfreuen und stolz machen.

Wenn dir dieser Beitrag gefallen hat und du einen Nutzen daraus ziehen konntest, teile ihn mit deinen Freunden, die vielleicht auch nicht wissen, wo sie gerade stehen, ob sie sich entwickelt haben, wie sie ein Projekt dokumentieren können, wie sie aus Fehlern lernen können oder einfach nur ein Fototagebuch führen möchten.

8 Gedanken zu „Mache ich eigentlich Fortschritte?

  1. Hallo Aleksandra

    Interessanter Aspekt mit dem Tagebuch. Da sich die eigene Fotografie laufend entwickelt, ist es sicherlich interessant, ein paar Jahre später wieder ein Blick darauf zu werfen.

    Gut möglich, dass ich vielleicht auch mal so ein „Tagebuch“ erstelle.

    Viele Grüsse
    Pascal

    • Hallo Pascal,
      das stimmt, man entwickelt sich weiter, vor allem am Anfang, wo es einen noch in alle möglichen Richtungen zieht. Falls du dir ein Tagebuch erstellst, dann wünsch ich dir viel Spaß damit.
      Viele Grüße,
      Aleksandra

  2. ich finde, das ist eine sehr schöne idee – mir fehlt nur einfach die zeit für sowas, leider 🙁 allerdings habe ich festgestellt, dass ein blog ein gutes mittel ist, um seine fotografische entwicklung zu beobachten. meinen gibt es nun bereits ziemlich genau seit 7 jahren. und rückblickend sehe ich starke tendenzen und veränderungen. heute frage ich mich oft, wieso ich dieses eine bild damals für bloggenswert empfunden habe, weil ich mich noch an die begeisterung erinnere, die ich damals dafür hatte – und die ich heute gar nicht mehr nachvollziehe kann 😉

    • Wow, sieben Jahre ist schon eine sehr lange Zeit. Da sammelt sich auch einiges an Fotos an auf so einem Blog. Und vor allem, wenn man regelmäßig bloggt, sieht man seine Entwicklung und Veränderung anhand der Bilder, Themen und Projekte, die sich im Laufe der Zeit geändert haben.

    • Hallo Jürgen,
      ja, ich habe mein Tagebuch noch. Ich klebe ab und zu ein Foto ein und nutze auch, um Gedanken, Ideen und Einfälle zu notieren.
      Viel Spaß beim Ausprobieren! Bin gespannt, wie du es für dich nutzt.
      Liebe Grüße
      Aleksandra

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