Bleib an deinem Objekt dran

Denn du bist ein Sammler und kein Jäger.

Kennst du das? Du bist mit deiner Kamera unterwegs und wo du auch hinschaust, auf Schritt und Tritt, fallen dir tolle Objekte und Motive zum Fotografieren auf. Du entscheidest dich für ein Motiv, bleibst kurz stehen, fokussierst, fotografierst – und gehst weiter. Fünf Schritte später springt dir das nächste Supermotiv in die Augen. Wieder schaust du kurz durch den Sucher, drückst ab und – gehst weiter. Dann bemerkst du das dritte atemberaubende Motiv und noch während du dich vorbereitest es zu fotografieren, siehst du aus dem Augenwinkel schon wieder etwas Interessantes. Also machst du schnell, schnell. Auslösen und weiter zu Motiv Nummer vier.

So geht das vielleicht ein, zwei Stunden, je nachdem wie lange der Akku, der Platz auf der Speicherkarte oder deine Lust und Ausdauer ausreichen. Du bist auf der Jagd nach dem perfekten Foto. Aber wenn du dann daheim ankommst und dir voller Vorfreude deine Ausbeute anschaust, wird deine Hochstimmung ziemlich schnell gedrückt: „Oookaaayyy. Geht so. Hm.“ Irgendwie sah das Motiv in deiner Erinnerung besser aus. Vielleicht hast du es doch nicht so mit der Fotografie? Doch kein Talent? Wieder die Kamera schuld?

Fotografieren hat nichts mit einer Jagd zu tun. Klick um zu Tweeten

Dieses Verhalten zeigen viele Fotografieanfänger und Fotolaien. Ich war auch eine Jägerin, immer auf der Jagd nach dem einen Motiv, immer hastig unterwegs und habe mir keine Zeit genommen, mich mit dem Motiv, das ich fotografieren will, auseinanderzusetzen. Nach so einem Fotografietag hat man aber dann später beim Betrachten der Bilder das Gefühl, dass man doch etwas verpasst hat. Und zwar die Gelegenheit, das Motiv richtig einzufangen.

Ich möchte dir eine Technik zeigen, die kein Hexenwerk ist, die aber deinen fotografischen Blick um ein Vielfaches verbessern wird. Wenn du diese Technik anwendest, wirst du mehr Fotos haben, die du auch behalten möchtest und die du deinen Freunden und Verwandten stolz präsentieren wirst. Du wirst zum Sammler und mehr Erfolgserlebnisse haben als mit der kopflosen Fotojagd.

Wie also lautet das Geheimnis ein gutes Motiv einzufangen?

Die Antwort: Mit nur einem Foto ist es nicht getan. Mache mehrere Aufnahmen von deinem Motiv. Wie wäre es mit mindestens zehn?

Geh mit offenen Augen durch die Welt und nimm dir Zeit für dein Objekt. Bleib an ihm dran! Wenn du jetzt gerade gar keine Idee hast, wie du von einer Straßenblume zehn Fotos aufnehmen sollst, habe ich hier für dich ein paar Fragen als Hilfestellung zusammengeschrieben.

  • Kannst du dein Objekt von allen Seiten fotografieren? Von vorne, von hinten, von der linken und von der rechten Seite?
  • Wie wirkt es im Hochformat, wie im Querformat?
  • Hast du es schon mal aus einer anderen Perspektive versucht? Vogelperspektive, Wurmperspektive, etc.?
  • Hast du die Drittelregel schon bei diesem Motiv ausprobiert?
  • Hast du es mit verschiedenen Entfernungen versucht? Ganz nah ran? Ganz weit weg? Wie kommt dein Motiv am besten zur Geltung?
  • Hast du mit der Blende gespielt? Was wirkt besser? Mehr Details oder weniger Details?
  • Kannst du mit der Belichtungszeit spielen? Das eignet sich vor allem bei bewegten Objekten.
  • Kannst du andere Objekte in deine Bildgestaltung mit einbeziehen?

Hier ein paar Beispielfotos wie das ganze aussehen kann. Am Samstag habe ich die ersten Blumen in diesem Jahr entdeckt und die musste ich fotografieren. Der Frühling naht.

 Was bringt dir diese Methode?

  • Das erste Foto, das du von einem Motiv machst, ist nicht unbedingt immer das Beste. Hast du mehrere Fotos von dem Motiv, hast du auch später eine größere Auswahl, damit du nicht enttäuscht bist, dass es in deiner Erinnerung besser aussah, als du es eingefangen hast.
  • Diese Methode schult dein Auge für Motive. Du wirst später sofort wissen, welche Motive du wie fotografieren sollst, damit sie gut aussehen.
  • Mit dieser Technik kannst du verschiedene Bildgestaltungsmethoden in aller Ruhe an einem Motiv ausprobieren.
  • Du lernst deine Kamera besser kennen und gewinnst zunehmend an Sicherheit im Umgang mit dem A/AV- oder S/TV-Modus.
  • Du bekommst mehrere Fotos von einem Motiv und kannst diese zu einer Serie zusammenstellen.

Außerdem 1

Deaktiviere bei deiner Kamera die Bildkontrolle, also dass nach jedem Auslösen das aufgenommene Bild angezeigt wird. Das verzögert den Fotografiefluss. Denn vor allem bei der Tierfotografie oder Porträtfotografie kommt es auf Sekunden an. Der Blick, der Ausdruck, die Bewegung – alles kann sich sehr schnell ändern und wenn deine Kamera dich da ausbremst, weil sie dir erst einmal das aufgenommene Bild zur Kontrolle anzeigt, kann es sein, dass dir dadurch die guten Motive entgehen.

Außerdem 2

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Wenn du Schwierigkeiten hast oder von mir ein Feedback haben möchtest, dann schreibe mir einfach hier eine Nachricht in die Kommentare oder an meine E-Mailadresse. Bis zum nächsten Mal.

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